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18.01.2008 
Joseph Jimenez

Pille statt Ketchup

von Oliver Stock

Der Amerikaner Joseph Jimenez kommt gerne schnell zur Sache. Das wird das Personal der Pharmasparte von Novartis bald zu spüren bekommen. Ihr neuer Chef macht das Sparprogramm zum Dauerthema.

Joseph Jimenez. Foto: ap.Lupe

Joseph Jimenez. Foto: ap.

BASEL. Das Gesicht fällt auf. Das Gesicht ist frisch. Frischer als das der anderen. Joseph Jimenez sitzt mittendrin in der Garde der Vorstandsmitglieder des Pharmakonzerns Novartis, der gestern in Basel als erster der Branche seine Zahlen vorgelegt hat. Mäßige Zahlen sind das, Novartis braucht dennoch die Baseler Messehalle dazu.

Bisher hatte Daniel Vasella die Halle locker mit seinem Charme gefüllt, „Super-Dan“ haben sie das Novartis-Multitalent, das seit Jahren in Vorstand und Verwaltungsrat an der Spitze sitzt, in seinen besten Zeiten genannt. Doch der Aktienkurs bröckelt, zwei mit großen Hoffnungen beladene Novartis-Medikamente flogen vom Markt oder kamen gar nicht erst dahin, die Konkurrenz der Nachahmerpräparate wird immer stärker. Die Pharmasparte, bisher stets der Bringer im Konzern, schwächelt, und Vasellas Lächeln wirkt schmallippiger.

Stattdessen sitzt da Jimenez, Amerikaner, 48 Jahre alt. Hohe, sehr hohe Stirn. Wie bei Michel Piccoli in seinen jungen Jahren, bevor er nur noch Filme für die Programmkinos machte. Jimenez ist erst seit April bei Novartis und war eigentlich als Chef der kleineren Sparte der frei verkäuflichen Gesundheitsprodukte eingestiegen. Im Oktober kam dann die Überraschung: Vasella machte den Novartis-Neuling nach sechs Monaten zum Leiter der dreimal größeren Pharmasparte und zum zweitwichtigsten Mann im Konzern – nach ihm, versteht sich.

Thomas Ebeling, der den Bereich sieben Jahre geleitet hatte, als Kronprinz galt, aber zuletzt vom Glück allzu sehr verlassen schien, tauschte mit Jimenez. Ebeling kam von Pepsi-Cola zu Novartis, Jimenez kommt von Heinz. Ja, genau, dem mit dem Ketchup. Was befähigt einen Ketchup-Verkäufer, den Pillenmarkt aufzurollen?

Jimenez muss lachen. Er sitzt auf einem Sofa in einem Messehinterzimmer und schlägt die Beine übereinander. Dann beugt er sich nach vorn, sucht den Blickkontakt. Sein Referat vorhin in der Halle war kurz, das kürzeste von allen. Als Leiter der größten Sparte hätte er sicher mehr zu erzählen. Aber entweder bedeutet „kurz“ in diesem Fall „dynamisch“, oder es heißt, dass der Neue selbst noch nicht so genau weiß, wohin der Hase läuft. Was also will er anders machen als sein Vorgänger?

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Jimenez entfaltet sein Programm, das aus dem Lehrbuch der Betriebswirtschaft stammen könnte

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