Für Vita ist es das Aus seines wichtigsten Aufsichtsratsmandats. Schering war in der Topliga des Deutschen Aktienindexes, Springer ist nur ein SDax-Kandidat. Im neuen Bayerverbund ist kein Platz für Vita.
Aber dafür wächst im Laufe der Jahre seine Rolle als Mentor deutsch-italienischer Beziehungen. Kaum bemerkt, sammelt er Kontrollposten mit Italien-Connection. Beim Motorenhersteller Deutz ist er Aufsichtsratschef, der italienische Traktorenhersteller Same Hauptaktionär. Zu Boss kommt Vita über dessen Ex- Großaktionär Marzotto. Für den Versicherungskonzern Allianz ist er Presidente der italienischen Tochter. Für die Deutsche Bank hat er lange eine ähnliche Aufgabe. Im Sommer 2007 wird er Chairman of the Board der Banca Leonardo aus Mailand, die dann mit der deutschen Investmentbank Drueker & Co. fusioniert. Zuletzt lotet er in Berlin die Chancen für einen Einstieg der italienischen Unicredit bei der Landesbank aus.
Vitas italienische Vita ist schon Anfang der 90er-Jahre gefragt. Damals zieht er in den Aufsichtsrat des Reifenherstellers Continental ein. Er wird gebraucht im Abwehrkampf Contis gegen den italienischen Rivalen Pirelli, der ein unerwünschtes Kaufangebot lanciert hat.
Vita selbst gilt damals noch als „neutraler Italiener“, später dann eher als Mitglied der Deutschland AG.
Als Schering-Manager pflegt er vor allem die persönliche Form des Netzwerkens. Auf wichtigen Tagungen zu Governance-Fragen ist Vita zu sehen, aber zurückhaltend im Publikum, nie auf der Bühne. Schon als Schering-Boss pflegt er eine ungewöhnliche Symbiose mit Finanzchef Klaus Pohle. Der ist einen Kopf größer und fürs Plakative zuständig. Vita bleibt im Hintergrund.
Für Vita kam das Ende der Deutschland AG viel zu schnell, sagt er ohne jede Einschränkung. Ein bisschen mehr Industriepolitik täte Deutschland gut, meint er und blickt aus seinem Aufsichtsratsbüro im Berliner Springer-Hochhaus. Seine geliebte Schering AG kann er von hier kaum sehen. Aber sie ist ja nur noch die Niederlassung eines Konzerns.
Vita Guiseppe Vita
1935 Er wird am 28. April in Favara/Sizilien geboren. Er studiert später Medizin und erhält nach seinem Studium die Anerkennung als Facharzt für Radiologie. Vita arbeitet in der klinischen Forschung der Schering AG in Berlin. Er wird 1965 Geschäftsführer der Schering-Tochter in Italien.
1988 Vita wird ordentliches Vorstandsmitglied von Schering.
1989 Er rückt an die Vorstandsspitze. Im Jahr 2000 wird er Aufsichtsratschef von Hugo Boss.
2001 Er wird zum Chef des Schering-Aufsichtsrats gewählt.
2002 Vita wird Aufsichtsratschef des Axel Springer Verlages.
2006 Er scheidet als Aufsichtsratschef bei Schering aus.
