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11.11.2007 
Vorwürfte gegen Citigroup-Chef

Prinz schimpft über Prince

Der saudi-arabische Multimilliardär und größte Einzelaktionär der US-Bank Citigroup, Prinz al-Walid Bin Talal, hat den zurückgetretenen Konzernchef Charles Prince ungewöhnlich scharf kritisiert. Prince habe die Anteilseigner komplett hinters Licht geführt, sagte Prinz al-Walid dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Fortune“ in einem Interview.

Citigroup-Chef Charles Prince musste seinen Posten räumen. Foto: ReutersLupe

Citigroup-Chef Charles Prince musste seinen Posten räumen. Foto: Reuters

HB NEW YORK. „Ich bin von Prince extrem enttäuscht.“ Einer Fusion des größten US-Finanzkonzerns mit einem Wettbewerber erteilte der Investor zum jetzigen Zeitpunkt eine Absage. „Das ist sicher nicht der richtige Moment“, betonte er mit Blick auf den stark gefallenen Börsenwert der Citigroup. „Sicher nicht zu diesem Preis. Das wäre alles andere als fair den Aktionären gegenüber.“ Er selbst werde keine Anteile verkaufen, sagte al-Walid, der 3,6 Prozent an der Bank halte. Allein in diesem Jahr verlor Citigroup rund 100 Milliarden Dollar Börsenwert - etwa vierzig Prozent.

Der Multimilliardär warf Prince in einer Art Generalabrechnung besonders vor, dass er nach den ersten Milliardenabschreibungen Mitte Oktober alles als erledigt bezeichnet habe. Stattdessen kündigte die Bank am vergangenen Sonntag nochmals deutlich höhere Bereinigungen von bis zu 11 Milliarden Dollar an. „Das ist inakzeptabel“, sagte al- Walid. Damit habe sich alles komplett verändert.

„Meine Unterstützung sank schlagartig. Man sollte nie etwas versprechen, was man nicht halten kann.“ Das Risikomanagement sei der Bank absolut falsch gewesen, sagte Prince in dem Interview (Online-Ausgabe). Vor den neuerlichen Abschreibungen hatte der Investor die Verluste noch öffentlich als „bloßen Schluckauf“ abgetan.

Der 57-jährige Prince hatte nach offizieller Darstellung des größten US-Finanzkonzerns von sich aus am Sonntag den Hut genommen. Prinz al-Walid meinte dagegen: „Ich hatte den Eindruck, dass er ganz und gar nicht zurücktreten wollte.“ Ihm gegenüber habe Prince jedenfalls den Abgang nicht angeboten.

Die jetzige Situation sei für die Citigroup nicht annehmbar. „Die Bank kann sich weitere Verluste nicht leisten“, warnte al-Walid. „Es ist schade für eine Bank wie Citigroup, in einer solchen Lage zu sein.“ Er warf dem Konzern vor, keinen Nachfolgeplan in der Schublade gehabt zu haben. Mit Blick auf den studierten Juristen Prince meinte er: „Sie sollten niemanden anheuern, der keine Ahnung vom Bankgeschäft hat. Ich habe ihnen gesagt: nächstes Mal bitte keinen Anwalt mehr.“

Mit Prince' legendärem Vorgänger Sandy Weill habe er eingehend über die Probleme gesprochen, sagte der Multimilliardär. Weill habe ihm versichert, er habe keinerlei Ambitionen zur Rückkehr an die Spitze des Konzerns. Er würde aber gerne bei der Nachfolgersuche mithelfen, sagte al-Walid.

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