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28.12.2006 
Top-Frauen der Finanzwelt

Puzzle mit nationalen Farben

von Helmut Steuer

Ihr Name ist Programm: Sie heißt Bosse, Stine Bosse. Die Top-Managerin des zweitgrößten nordeuropäischen Versicherungskonzerns Trygvesta mit Sitz in Ballerup, einem Vorort von Kopenhagen, hat in den vergangenen fünf Jahren viel durchsetzen müssen.

STOCKHOLM. Als Stine Bosse Ende 2002 Konzernchefin der aus mehreren nordeuropäischen Versicherungsgesellschaften fusionierten Trygvesta wurde, glich der Konzern einem halbfertigen Puzzle: hier ein Stück zu viel, dort eines zu wenig. Ihre Hauptaufgabe bestand zunächst darin, dem neuen Gebilde eine Struktur zu geben, nationale Besonderheiten der dänischen, norwegischen, schwedischen und finnischen Tochtergesellschaften zu berücksichtigen, ohne ein gemeinsames Profil zu riskieren.

Es war keine leichte Aufgabe, die die Managerin mit gleich drei Diplomen (Jura, sowie zwei Management-Ausbildungen in Frankreich und den USA) zu bewältigen hatte. Doch ihr gelang es in den darauf folgenden Jahren, aus Trygvesta den nach der finnischen If zweitgrößten Versicherungskonzern der Region zu machen.

Noch gibt es in Nordeuropa einige weiße Flecken für den Konzern, doch Bosse hat bereits das Ziel ausgegeben, auf dem schwächsten Trygvesta-Markt Schweden bis 2012 einen Marktanteil im allgemeinen Versicherungsbereich von etwa acht Prozent zu erreichen. „Sie ist enorm fähig und wird die Erwartungen erfüllen“, lobte der ehemalige Tryg-Chef Alf Duch-Pedersen seine ehemalige Personalchefin, die 1987, gleich nach dem Studium bei dem dänischen Versicherungskonzern Tryg ihre berufliche Laufbahn begann.

Damals konnte niemand ahnen, dass sie 24 Jahre später den mittlerweile aus der dänischen Tryg, der norwegischen Vesta und einigen weiteren Finanzdienstleistern fusionierten Versicherungsriesen Trygvesta leiten würde. Doch heute ist sie Chefin von mehr als 3 700 Mitarbeitern und wurde erst kürzlich von internationalen Wirtschaftszeitungen auf Platz elf der 25 mächtigsten Managerinnen in Europa gewählt. Sie ist ihr gesamtes Berufsleben dem Unternehmen treu geblieben, leitete nach der Zeit als Personalchefin die Schadensversicherungs-Sparte und kümmerte sich um die Konzept- und Produktentwicklung.

Stine Bosse sieht man nicht an, dass sie Macht hat und diese – wenn es denn notwendig ist – auch anwendet, um ihre Ziele durchzusetzen: Meist lächelt sie sympathisch, signalisiert mit ihren wachen blauen Augen und dem halblangen, leger frisierten dunkelblonden Haar eine gewisse Milde. Doch das täuscht, wie schon mehrere ihrer leitenden Mitarbeiter in den vergangenen Jahren erfahren mussten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Wenn sie einen Plan hat, wird der auch durchgesetzt.“

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