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28.12.2006 

„Wenn sie einen Plan hat, wird der auch durchgesetzt“, beschreibt ein Mitarbeiter seine Chefin. Es scheint zu stimmen, denn seit ihrer Beförderung ganz an die Spitze des Versicherungskonzerns hat Bosse deutliche Spuren hinterlassen. Sie hat Top-Manager ausgetauscht und den zuvor von einer Stiftung geführten genossenschaftlichen Versicherer im vergangenen Jahr erfolgreich an die Börse gebracht.

Besonders schmerzhaft war die Integration der norwegischen Vesta in den neuen Sachversicherungsriesen. Am Konzernsitz des Unternehmens in Bergen mussten viele Manager ihren Hut nehmen. So etwas schafft Irritationen, und das hat Stine Bosse mehr als nur einmal deutlich zu spüren bekommen. Doch die neue Konzernchefin, die in ihrer Freizeit auf dem Bauernhof ihres Mannes zusammen mit den vier Kindern neue Kraft tankt, löste auch diese Probleme. Sie tauchte häufig in Bergen redete direkt mit den Mitarbeitern.

„In Norwegen diskutiert man erst, dann wird entschieden. In Dänemark treffen wir Entscheidungen und diskutieren sie danach“, fasst Bosse die Kulturunterschiede zwischen beiden Ländern zusammen. Das Konfliktpotenzial bei grenzüberschreitenden Übernahmen und Fusionen ist groß. Nationale Empfindlichkeiten sind im hohen Norden größer, als viele außerhalb der Region oftmals annehmen. Und die Gleichberechtigung ist auch hier noch längst nicht selbstverständlich.

Stine Bosse hat das hautnah erfahren, ist aber bislang unbeirrt ihren Weg weiter gegangen. Dazu zählte auch, dass sie mehr Frauen in Top-Positionen befördert hat. „Ich weiß nicht, ob es einen so großen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Chefs gibt“, sagte sie einmal, um dann aber hinzuzufügen: „Ich habe aber den Eindruck, dass die Ergebnisse besser werden, wenn Frauen und Männer zusammenarbeiten“.

Für die Zukunft hat sich Bosse noch eine Menge vorgenommen. Vor allem das für ihre Branche so typische Kleingedruckte in den Verträgen ist ihr ein Dorn im Auge. „Das muss geändert werden“, sagt sie. „ Wir sind kein Lieferant von Policen, sondern wir wollen Sicherheit verkaufen“.


Lange Tradition: Als 1728 rund ein Viertel Kopenhagens in Flammen stand, viele Menschen umkamen und ein Fünftel der Bevölkerung ihr Dach über dem Kopf verlor, entstand die Idee zur Bildung eines Versicherungskonzerns. 1731 war es dann soweit: Dänemark bekam mit Københavns Brand seinen ersten Versicherer. 1911 wurde der Name „Tryg“ (sicher) erstmals für das Unternehmen verwendet.

Viele Fusionen: Die seit 2002 unter dem Namen Trygvesta agierende Gruppe mit rund 1,4 Mill. Privat- und 250 000 Firmenkunden entstand aus Fusionen mit dem dänischen Konkurrenten Baltica, der dänischen Bank Unidanmark und der norwegischen Versicherungsgesellschaft Vesta. 2005 nahm der Konzern 15,7 Mrd. Kronen (2,1 Mrd. Euro) an Prämien ein. Der Vorsteuergewinn betrug 2,9 Mrd. Kronen. Die Aktie ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

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