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23.08.2006 
Zurück ins Geschäft

Rückkehr des Star-Bankers

von Torsten Riecke

Frank Quattrone steht vor einem sensationellen Comeback. Der frühere Star-Banker, dem unter anderem vorgeworfen wurde Börsengänge manipuliert zu haben, hat sich mit der Staatsanwaltschaft außergerichtlich geeinigt und kündigte gestern seine Rückkehr in das Investment-Banking an.

Endgültig ein freier Mann: Zwei Prozesse konnten Frank Quattrone nichts anhaben. Die Beweislage gegen ihn war zu dünn. Foto: apLupe

Endgültig ein freier Mann: Zwei Prozesse konnten Frank Quattrone nichts anhaben. Die Beweislage gegen ihn war zu dünn. Foto: ap

NEW YORK. Zuvor hatte Richter George Daniels in New York der Einigung zugestimmt. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Anklage gegen den 50-Jährigen nach einer Bewährung von einem Jahr fallen gelassen wird.

Die Justiz hatte Quattrone - einem der bekanntesten Investmentbanker der Wall Street - vorgeworfen, während des Internet-Booms Ende der 90er Jahre, Börsengänge manipuliert und das Beweismaterial vernichtet zu haben. Trotz zweier Gerichtsverfahren reichte es nicht zu einer Verurteilung. Im ersten Prozess 2003 hatten sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen können. Das zweite Verfahren ein Jahr später endete zwar mit einem Schuldspruch, ein Berufungsgericht hob das Urteil jedoch wegen Verfahrensfehlern wieder auf. Ein dritter Prozess kam nicht zustande, weil selbst den Staatsanwälten keine Handhabe sahen. "Die Beweise waren einfach zu dünn", sagte John Coffee, Professor für Wirtschaftsrecht an der Columbia University in New York.

Die Chancen Quattrones für ein Comeback als Investmentbanker beurteilen Experten unterschiedlich. "Die Frage ist, ob seine früheren Kontakte ihn so behandeln, wie sie es vor dem Skandal getan haben", sagte Jacob Frenkel, Anwalt bei der Kanzlei Shulamn, Rogers, Gandal, Pordy & Ecker, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte bereits im März ihr Verdikt aufgehoben, das Quattrone lebenslang von der Wall Street verbannt hätte.

Der Sohn italienischer Einwanderer galt während der High-Tech-Hysterie als Technologie-Guru an der Wall Street. Er startete seine Karriere 1979 bei Morgan Stanley und wechselte 1996 zur Deutschen Bank. Nur zwei Jahre später zog er mit 130 Mitarbeitern zum Konkurrenten Credit Suisse und dirigierte für die Schweizer Großbank von Palo Alto aus zahlreiche Börsengänge von High-Tech-Unternehmen. Dazu gehörten die Erstnotierungen von Amazon, Cisco und Adobe Systems. Der in einem ärmlichen Stadtteil von Philadelphia geborene Quattrone verdiente allein im Jahr 2000 mehr als 120 Mill. Dollar.


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Einen Knick bekam seine Karriere, als die Internet-Blase platzte und Vorwürfe laut wurden, die Investmentbanken hätten wider besseren Wissens viele High-Tech-Aktien in den Himmel gelobt und die stark gefragten Papiere vor einer Neuemission an bevorzugte Kunden verteilt. Im Gegenzug sollen die Banken dafür lukrative Beratungsaufträge bekommen haben. Credit Suisse zahlte 2002 rund 100 Mill. Dollar an die Aufsichtsbehörden, um die Klagen außergerichtlich beizulegen. Quattrone verließ die Bank noch im gleichen Jahr.

Angeklagt wurde der hoch gewachsene Investmentbanker mit dem auffälligen Schnautzer ein Jahr später, weil er angeblich Beweismaterial über die dubiose Vergabepraxis bei Neuemissionen vernichtet haben soll. Von Anfang an litt die Anklage jedoch darunter, dass sie sich auf eine einziges E-Mail stützte, in der Quattrone seine Mitarbeiter aufgefordert hatte, die elektronischen Postfächer aufzuräumen.

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