Auf den breiten Schultern des hoch gewachsenen, stilvoll ergrauenden Patriziers ruht das größte Firmen-Erbe der Nation. Daran erinnert wird Tata jeden Morgen, wenn er an der Marmorstatue des legendären Firmengründers vorbei läuft in ein nobles Gebäude im britischen Kolonialstil, das Bombay House. Im Kontrast zu dessen äußerer Hülle ist sein Büro jedoch hell und geräumig und hängt voll moderner indischer Kunst.
Das Imperium wurde von Jamsetji Tata 1868 aus der Taufe gehoben. Er war ein Pionier der Industrialisierung seines Landes. Seine Firmen sollten nicht nur Profit abwerfen, sondern zugleich Bausteine liefern für ein unabhängiges, modernes Indien. Der Nationalist trotzte den Kolonialherren und brachte gegen deren Widerstand das erste Wasserkraftwerk, das erste Nobelhotel und die erste Naturwissenschaftliche Universität seines Landes auf den Weg.
Indirekt ist die geglückte Übernahme von Corus, Nachfolger der einst staatlichen British Steel, auch eine historische Wiedergutmachung für die beleidigende Arroganz, mit der die Kolonialherren Ratan Tatas Urahn behandelt hatten. Als dieser Anfang des 20sten Jahrhunderts Indiens erstes Stahlwerk aus der Taufe hob, höhnte der Chef der indischen Eisenbahn, Sir Frederick Upcott: „Die Tatas wollen Stahl britischer Qualität herstellen? Ich esse jedes Pfund davon.“ 24 Millionen Tonnen wären Upcott kaum bekommen.
