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22.03.2005 
Handelsblatt Serie: Kunstsammler

Sammeln für die Firma

von Christiane Fricke, Handelsblatt

Christian Brühe mag es sachlich und klar. Dennoch macht er aus der Begegnung mit seiner Uniplan Art Collection ein eindrucksvolles Erlebnis.

KERPEN "Mission statement“ hört sich ambitioniert an. Es klingt so, als könne der kahlrasierte und korrekt gekleidete Mann, der da mit übereinander gelegten Händen am Tisch sitzt, sogar einen Flug auf den Mond möglich machen.

Christian Brühe, Chef der Firma Uniplan International GmbH & Co KG und Initiator einer firmeneigenen Kunstsammlung mit bisher 60 Werken, lächelt nur. „ ,Mission statement’ ist ein Marketingbegriff“, erklärt er die auf seiner Website gefundene Formel. „Es gibt ja die Vision für das Unternehmen. Mission ist eben das, wer man sein möchte und wo man hin möchte. Mission ist letztlich auch das, was man tut.“ Aber missionarisch in Sachen Kunst sei er nicht unterwegs.

„Menschen, die ein bisschen Glück gehabt haben, stehen jedoch auch in der Verantwortung, etwas an ihre Umgebung, die Familie, an die Mitarbeiter und Besucher zurückzugeben“, gibt er zu Bedenken. Etwas, das – wie zum Beispiel Kunst – „eine gewisse, wie auch immer definierte positive Wirkung auf die Gesellschaft hat“.

Und damit kennt sich der 44-Jährige gut aus. Sein Unternehmen ist eine der führenden Agenturen für Live Communication mit Niederlassungen in Metropolen wie Paris, Budapest, Peking und Schanghai und hat sich darauf spezialisiert, aus der Begegnung von Menschen mit Marken Erlebnisse zu machen.

„Kunst lebt vom Dialog mit dem Betrachter, vom direkten, möglichst unmittelbaren Erleben. Daher passt Christian Brühes Engagement in der Kunst hervorragend zu den Anknüpfungspunkten in der Live Communication, dem Betätigungsfeld seiner Agentur Uniplan“, findet denn auch Unternehmensberater Roland Berger, der den Vorsitz im Aufsichtsrat von Uniplan führt.

Auch den Besuch des Kunden am Firmenstammsitz in Kerpen bei Köln macht Brühe zum Event, in einem für Kundenbesuche umgebauten, flachen Gebäuderiegel. Hier badet das Auge in funktionaler Architektur vom Feinsten. Und hier arbeiten auch die Kreativen von Uniplan. In hellen, angenehm proportionierten Büros denken sie sich für Toshiba, Daimler-Chrysler oder L’Oréal Konzepte, Events und Road-Shows aus und entwerfen Messestände.

Gesellschaft leisten den Markenstrategen Werke wie ein monochromes, sandfarbenes Bildpaar von Frederic Matys Thursz oder großformatige, schreckensdüstere Zeichnungen des US-Künstlers Robert Lon-go. Ihr Thema sind Gegenstände aus der Wohnung und Praxis Sigmund Freuds, die dieser auf der Flucht vor den Nazis zurücklassen musste.

Die Kunst umgibt Brühes Mitarbeiter so wenig aufdringlich wie die Architektur. Wenn sie den langen Flur entlanggehen, der das Gebäude wie eine Achse durchschneidet, begleitet sie auf beiden Seiten etwas, das aussieht wie ein optisches Leitsystem. Es ist die Installation „Text DNA“ von Andreas Horlitz, eine Art Leuchtkasten mit vier genetischen Sequenzen auf teilverspiegeltem Glas, planparallel und in Augenhöhe in die Wand eingelassen.

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