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30.03.2007 
Léo Apotheker

SAP-Chef in spe

von Jens Koenen

Mit seiner Berufung zum SAP-Vize hat Léo Apotheker beste Chancen, Henning Kagermann als Unternehmenschef zu beerben. Er wäre der erste Vertriebsprofi an der Spitze des größten europäischen Softwarekonzerns – ungewohnt für die „Techis“ in Walldorf.

Léo Apotheker ist derzeit Vertriebsvorstand des Softwareunternehmens SAP. Foto: dpaLupe

Léo Apotheker ist derzeit Vertriebsvorstand des Softwareunternehmens SAP. Foto: dpa

FRANKFURT. Der Raum ist klein, würde als Kinderzimmer in keinem Bauantrag durchgehen. Die Luft ist stickig, von rechts dröhnt laute Musik herüber und macht jedes Gespräch mühselig. Doch der Mann mit dem hohen Haaransatz und dem grau melierten Bart bleibt gelassen. „Ich mach’s mir mal gemütlich“, sagt er mit einem Lächeln und legt ohne die üblichen „Gestatten Sie“-Floskeln kurzerhand sein Jackett ab.

Es ist Cebit-Time in Hannover – Spielzeit für Léo Apotheker. Wenn es um den Verkauf von Software geht, fühlt sich der 53-jährige Vertriebsprofi zu Hause – hier auf der weltgrößten IT-Messe. Seit 2002 sitzt der in Aachen geborene Volkswirtschaftler im SAP-Vorstand. Für den Konzern war seine Berufung ein Quantensprung. Hatten bis dato IT-Experten und „Techis“ die Führungsspitze von Deutschlands größtem Softwarekonzern dominiert, zog mit Apotheker der erste Vertriebler in ihre Reihen.

Nun steht er vor einem weiteren Sprung. Seit gestern ist klar: Der sympathische Manager mit seiner leicht nuschelnden Aussprache hat gute Chancen, SAP-Chef Henning Kagermann zu beerben, den Chefsessel des weltgrößten Anbieters von Firmensoftware zu übernehmen. Der Aufsichtsrat hat Apotheker zum Vize berufen, zum stellvertretenden Vorstandssprecher.

Ob er das Rennen tatsächlich machen wird, ist zwar noch offen. SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner mochte diesen Automatismus gestern so nicht bestätigen. Und auf den Fluren der Walldorfer Zentrale hält man es für durchaus möglich, dass Kagermann auch über 2009 hinaus an der Spitze bleiben und bis zu seinem Ausscheiden noch den „unbekannten Dritten“ aus dem Hut zaubern könnte. „Aber ein sehr aussichtsreicher Kandidat ist er allemal“, bringt ein SAPler die allgemeine Interpretation des jüngsten Vorstands-Revirements auf den Punkt.

Die Rückendeckung in der Zentrale hätte Apotheker auf jeden Fall – im Gegensatz zum ausscheidenden Kronprinzen Shai Agassi.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Apotheker wird auch an der Basis akzeptiert

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