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19.09.2006 
Software-Branche

„SAP veräppelt doch seine Kunden“

von Dirk Heilmann

Der Amerikaner Marc Benioff mischt die Software-Branche auf. Sein Unternehmen Salesforce.com ist an der Börse notiert und vier Milliarden Dollar wert. Der Erfolg des Unternehmens liegt auch daran, dass Benioff sich selbst gut verkauft.

LONDON. Der Konferenzsaal im Millennium-Hotel im Londoner Stadtteil Kensington ist überfüllt, Dutzende von Gästen müssen stehen. Der Disco-Kracher „Right here, right now“ von Fatboy Slim hämmert aus den Boxen. Da kommt er endlich, der Mann, auf den sie alle warten: Marc Benioff aus San Francisco. Statt eines schwarzen T-Shirts wie noch bei seinem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor zweieinhalb Jahren trägt er heute ein Business-Outfit: dunkler Anzug mit hellem Hemd und Krawatte.

Der Mann ist aber derselbe wie damals, eine imposante Erscheinung, groß und kräftig, mit ungebändigtem Haar, auch wenn es am Hinterkopf eine größere Lücke zu überkämmen gilt. Das Thema ist auch dasselbe geblieben: Installierte Software ist tot, internetgestütztem Service gehört die Zukunft. Doch heute hören viel mehr Leute zu, denn Benioffs Unternehmen Salesforce.com ist inzwischen an der Börse notiert und vier Milliarden Dollar wert.

Ein paar Stunden und zahlreiche Kundengespräche später hat sich Benioff in einen Sessel in der Hotelbar sinken lassen. Mit der einen Hand knetet er einen Fuß, mit der anderen spielt er am Taschencomputer herum. Doch angriffslustig ist er auch jetzt. Das Stichwort SAP ist gefallen, und er hebt zu einer seiner Tiraden an. „SAP veräppelt doch seine Kunden“, schimpft er. „Welche Innovationen kommen denn von SAP? Es ist doch unglaublich, wie wenig sie getan haben. Ich hätte Angst an ihrer Stelle.“ Angst vor Salesforce.com sollten sie wohl haben – auch wenn Benioff dies so direkt nicht sagt.

1996, damals gehörte er zur Führungsmannschaft des Oracle-Gründers Larry Ellison, kam ihm die Idee, mit der er heute die Branche aufmischt. „Software on demand“ – Kunden müssen Computerprogramme nicht kaufen, sondern greifen im Internet darauf zu und können sie mieten. Das ist billiger. Die Kunden müssen sich nicht um Installation, Wartung und Datenpflege kümmern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Benioff die Zukunft der Softwarebranche sieht

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