Kinder hat Doris Höpke keine, aber natürlich kennt sie das klassische Dilemma. Und es ärgert sie, wenn Frauen wie selbstverständlich einer Situationen ausgesetzt werden, in der sie sich zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen. „Vor allem ist es total überflüssig. Meine Eltern haben alles im Haushalt geteilt. Wenn mein Vater mir morgens die Zöpfe gemacht und mich dann in den Kindergarten gebracht hat, war das völlig normal.“
Für Gleichberechtigung zu missionieren, liegt Höpke trotzdem fern. Für sie ist es entscheidend, dass die richtige Person auf dem richtigen Platz sitzt. Davon kann sie sich gleich heute überzeugen. An diesem Nachmittag empfängt Höpke drei Abteilungsleiter. Den Auftakt macht Bernd Kohn. Der „Head of Innovative Solutions“ ist für ein „Inno-Team“ zuständig, das neue Geschäftsfelder und Märkte erschließt. Ein solcher Markt ist der durch das Kyoto-Protokoll ins Leben gerufene Handel mit CO2-Zertifikaten. Heute geht es um einen japanischen Investor. Er will eine Methan-Gasanlage in Brasilien finanzieren, um an die begehrten CO2-Zertifikate zu kommen. Kohn hat eine Musterpolice mitgebracht und skizziert kurz die Konstruktions- und politischen Risiken, die Einfluss auf die Preisfindung der Police haben können. Höpke stellt kurze, präzise Fragen. „Wo stehen wir?“ – „Wie ermittelt ihr den Preis?“ – „Was braucht ihr noch?“ Kohn nennt seine Wünsche, Höpke notiert sie sich in ihr Moleskin-Buch. Etwas hat sie noch aufgeschnappt. Einige Luftfahrtlinien haben den Wunsch nach neuen Absicherungsmöglichkeiten geäußert. Was tun, wenn ein Passagier ernsthaft krank wird und das Flugzeug umkehren muss? Oder wenn ein Unwetter den Flugplan zur Makulatur macht? Solche Fragen werden zunehmend relevant. „Es gibt den Trend, dass wir immer öfter als Erstversicherer auftreten“, sagt Höpke. Die Münchener Rück ersetzt dann die Versicherer, die sich von Risikomärkten zurückziehen. „Vor allem bei den großen Risiken verwischen sich die Grenzen zwischen Erst- und Rückversicherer.“
Als Erstversicherer treten die Münchener traditionell in der Raumfahrt auf. Ernst Steilen, seit 25 Jahren mit dem sehr speziellen Markt befasst, bringt Höpke auf den letzten Stand der Satellitenversicherungen. Es sind viele Informationen, die auf Höpke einprasseln. Transport, Start und Betriebsphase eines Satelliten werden unabhängig voneinander versichert, und alle zwölf Monate müssen, nach einem „Gesundheitszeugnis“ für den Satelliten, die Konditionen neu ausgehandelt werden. Das Einfachste ist noch, dass meistens eine Allgefahrendeckung vorliegt. Theoretisch wäre damit auch eine Alien-Attacke versichert.
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