Gräfin Bernadotte muss neue, jüngere Besucher zur Blumeninsel Mainau locken. Morgen empfängt die Inselchefin die Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften.
MAINAU. Auf dem Foto aus den 70er-Jahren steht ein kleines Mädchen neben einer frisch gepflanzten Magnolie. Die kleine Comtesse Bettina überragt das Bäumchen. "Es ist Brauch in unserer Familie, für jedes Kind einen Baum auf der Mainau zu pflanzen", sagt das Mädchen von damals heute.
Die Magnolie ist, 30 Jahre später, gut zehn Meter hoch. Die Comtesse nennt sich nun Gräfin Bettina Bernadotte und ist eine schlicht, aber elegant gekleidete junge Frau. Und auf der Insel, die jährlich über eine Million Pflanzenfreunde an den Bodensee lockt, hat die 34-Jährige inzwischen das Sagen.
Die Älteste von fünf Kindern aus der zweiten Ehe des Grafen Lennart Bernadotte, der die Mainau als Blumeninsel bekanntmachte und vor vier Jahren im Alter von 95 Jahren starb, führt seit zwei Jahren die Mainau GmbH wie ein mittelständisches Unternehmen. Es kommt mit 300 Beschäftigten auf rund 20 Millionen Euro Umsatz. Ihre Mutter, Gräfin Sonja, hat sich in den vergangenen Jahren zurückgezogen.
Als letzten Schritt des Generationswechsels übernimmt Bettina jetzt auch die Aufgabe als Präsidentin des Kuratoriums für die Nobelpreisträgertagungen in Lindau am Bodensee. Formal findet der Wechsel erst im Winter statt, faktisch übt Gräfin Bettina den Job schon jetzt aus. "Das mache ich gerne. Da fühle ich mich geehrt und verpflichtet", sagt die drahtig-zierliche Gräfin.
Ihr Vater, der einst auf den schwedischen Königsthron verzichtete und die Mainau von seinem Vater geschenkt bekam, hatte die Initiatoren der Konferenz seit den 50er-Jahren unterstützt und mit seinen Verbindungen nach Schweden die hochkarätigen Gäste nach Lindau geholt.
