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18.04.2007 
Pasquale Pistorio

Sizilianische Leidenschaft

von Katarina Kort

Pasquale Pistorio tritt als neuer Chef von Telecom Italia keinen bequemen Posten an: Er soll den Verkauf des Unternehmens durchziehen. Dazu muss er ausbalancieren, wie viel Unabhängigkeit möglich ist – denn Telecom Italias Interessen sind eng mit denen des Hauptaktionärs Pirelli verstrickt.

Pasquale Pistorio ist für seine Mitarbeiter Alleinherrscher und Vaterfigur. Foto: ST Microelectronics

Pasquale Pistorio ist für seine Mitarbeiter Alleinherrscher und Vaterfigur. Foto: ST Microelectronics

MAILAND. Wenn ein Regisseur einen Schauspieler sucht, um die Rolle eines klassischen Sizilianers zu besetzen, könnte seine Wahl auf Pasquale Pistorio fallen: Untersetzter Körperbau, Schnauzbart, blitzende Augen unter buschigen Augenbrauen – ein Sizilianer wie aus Hollywoods Drehbüchern.

Der 71-jährige Pistorio ist zwar kein Schauspieler, eine interessante Geschichte hat der ausgewanderte Heimkehrer aber allemal. Nach erfolgreichen Jahren als Motorola-Manager in den USA ist er in die Heimat zurückgekehrt, um sich trotz aller Widrigkeiten auch in Sizilien als Chef des Chipherstellers ST Microelectronics zu behaupten. Nun wartet eine neue interessante Rolle auf Pistorio: Am gestrigen Dienstag hat ihn der neue Verwaltungsrat der Telecom Italia zum Präsidenten ernannt.

Damit übernimmt er die Führung eines Unternehmens, dessen Zukunft unsicherer ist denn je. Vor allem ist unklar, wer der Kontrollaktionär des ehemaligen Staatsmonopolisten wird, der zum Verkauf steht. Noch während die Hauptversammlung am Montag über die Mitglieder des neuen Verwaltungsrats abstimmte, verabschiedete sich der US-Konzern AT&T aus den Exklusivgesprächen mit Telecoms Hauptaktionär Pirelli. Die mexikanische America Movil, europäische Anbieter, italienische Banken und auch Berlusconi gelten nun als mögliche Interessenten.

In dieses Durcheinander soll der erfahrene Senior nun ein wenig Ruhe bringen – zumindest vorübergehend. Sein Mandat ist nur auf ein Jahr angelegt, so dass er den Verkauf des Unternehmens begleiten kann. Denn Pirelli will die Finanzholding Olimpia verkaufen, die mit nur 18 Prozent Telecom Italia kontrolliert. Ein neuer Kontrollaktionär dürfte dann sicherlich sein eigenes Management einbringen wollen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Seinen Vorgänger hatte wohl zu viel Unabhängikeit gezeigt

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