Erst diente er unter dem umtriebigen Ulrich Schumacher, dann stand in den vergangenen vier Jahren Wolfgang Ziebart an der Spitze. Doch Ziebart musste Ende vergangener Woche seinen Posten aufgeben. Der Aufsichtsrat wirft ihm mangelnde Durchsetzungskraft vor. Aber vor allem sind dem ehemaligen Conti-Vorstand die tiefroten Zahlen zum Verhängnis geworden.
Gestern nun durfte der Elektrotechniker Bauer zum ersten Mal selbst über das große Ganze reden: über die Strategie und die künftige Ausrichtung. Teilnehmer der Veranstaltung bescheinigten ihm hinterher ein souveränes Auftreten. Von Nervosität war nach außen jedenfalls nichts zu spüren.
Dabei waren die Reaktionen auf seine Ernennung in der vergangenen Woche sehr gemischt. Einige Reporter haben ihn als eher blassen Manager dargestellt, als verlängerten Arm von Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley. Für Irritationen sorgte vor allem, dass das Kontrollgremium Bauer nicht wie seinen Vorgänger zum Vorstandsvorsitzenden, sondern lediglich zum Vorstandssprecher ernannte. Deshalb wurde spekuliert, er sei nur eine Übergangslösung.
Trotzdem präsentierte sich der verheiratete Vater von zwei Kindern gestern selbstbewusst, ohne zu dick aufzutragen. Er weiß genau, dass die Vorschusslorbeeren der Börse schnell wieder verwelken, wenn die Zahlen nicht stimmen. Und spätestens Ende Juli kommt die nächste Bewährungsprobe, wenn er die Details des neuen Sparprogramms bekanntgibt.
Den Mitarbeitern des Chipkonzerns dürfte Bauers Rede allerdings wenig Freude bereitet haben. Sie müssen sich auf einiges gefasst machen. Denn die Kosten sollen vor allem dadurch gesenkt werden, dass Infineon
mehr außerhalb des Konzerns in Asien fertigen lässt. Außerdem will Bauer weniger investieren und die Verwaltung straffen. "Auf die Entwicklungszentren in Deutschland und Österreich kommt ein Deckel drauf", so Bauer, der das Unternehmen bestens kennt. Seit 1986, damals war Infineon
noch Teil von Siemens, arbeitet er hier, zuletzt war er verantwortlich für das Geschäft mit Autochips.
