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02.04.2008 
Andreas Tilp

"Spiel mit gezinkten Karten“

von Sonia Shinde

Anwalt Andreas Tilp schert sich wenig darum, wen er mit seinen Vorstößen verärgert. Seit Jahren kämpft der 45-Jährige für Anleger und gegen die Deutsche Telekom. Am Montag tritt er im größten deutschen Anlegerprozess in Frankfurt an. Es geht um rund 80 Millionen Euro.

Rund 17 000 T-Aktionäre wollen Schadenersatz. Foto: ap Lupe

Rund 17 000 T-Aktionäre wollen Schadenersatz. Foto: ap

FRANKFURT. Sanft fließt der Neckar dahin. Saftige Wiesen, Fachwerkhäuser und Gässchen mit Kopfsteinpflaster runden das Bild ab. Doch der Frieden in Kirchentellinsfurt trügt. Denn in dem schwäbischen Örtchen residiert der Mann, den Banken und Unternehmen fürchten. „Wir machen Fässer auf, die es bisher nicht gab, und das mach vor allem ich“, sagt Andreas Tilp, einer der führenden Anlegerschutzanwälte Deutschlands.

Seit Jahren organisiert er den Volksaufstand gegen die Volksaktie Deutsche Telekom. Montag beginnt das Finale: Es geht um falsche Immobilienbewertungen, verheimlichte Übernahmepläne und fallende Aktienkurse. Rund 17 000 T-Aktionäre, die meisten davon Kleinanleger, wollen im größten deutschen Anlegerprozess Schadensersatz, rund 80 Millionen Euro. Ihr Vorwurf: Fehler im Prospekt beim dritten Börsengang im Jahr 2000.

300 T-Aktionäre vertritt Tilp in den insgesamt 17 Verhandlungstagen, die Krawatte passend zum Muster der Hosenträger und die Worte gewetzt. Vornehme Zurückhaltung ist seine Sache nicht. Und das kann unangenehm werden für Ex-Telekom-Chef Ron Sommer und die hochrangigen Beamten aus dem Wirtschafts- und Finanzministerium, die sich als Zeugen seinen bohrenden Fragen stellen müssen. Die Telekom selbst geht davon aus, dass ihre Angaben im Börsenprospekt in Ordnung waren. „Wir sind überzeugt, dass sich die Haltlosigkeit der Vorwürfe bestätigen wird“, sagt eine Sprecherin.

Tilp vertritt jenen Pensionär aus Baden-Württemberg der als Musterkläger die Telekom in die Knie zwingen will. Andrang ist gewiss. Eigens für den erwarteten Publikumsansturm zieht das Gericht in ein Frankfurter Veranstaltungszentrum um.

Der Rummel ist Tilp gerade recht. „Mediengeil“ sei er, kritisieren Konkurrenten. Doch Tilp ist um Konter nicht verlegen: „Ich koche auch nur mit Wasser, aber das mache ich besonders gut“, sagt der Schwabe, den es privat eher zu Pasta und Pizza zieht statt zu Maultaschen und Spätzle. Ein Genussmensch, aber unbequem, ein Trendsetter der Klagebranche, der sich wenig drum schert, wen er mit seinen Vorstößen verärgert, sei es, wenn er Erfolgshonorare statt fester Gebühren für Anwälte fordert, sei es, wenn er die Medien mobilisiert.

Das ist laut Tilp die einzige Chance, „Waffengleichheit“ herzustellen. Denn Anleger haben in Deutschland schlechte Karten: Sie sind es, die beweisen müssen, dass Banken und Finanzdienstleister sie über den Tisch gezogen haben. Und wer zu lange wartet, hat verloren. Gerade einmal drei Jahre bleiben Geschädigten, bevor ihre Ansprüche verjähren. Wer sich auf die Politik verlasse, sei auf jeden Fall verlassen, sagt der Mann, der sich als „apolitisch“ beschreibt. „Viele Gesetzentwürfe werden von den Juristen der Banken verfasst, das hat mit Anlegerschutz nichts zu tun“, schimpft er.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Als Student häuft er 300 000 Mark Schulden an

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