Tilp muss es wissen, er hat Erfahrung mit Banken: Erst haben sie ihn abgezockt, dann haben sie ihn reich gemacht, erzählt er. Denn hätten die örtlichen Kreditinstitute den Jura-Studenten Andreas Tilp nicht Mitte der achtziger Jahre mit riskanten Optionsgeschäften zum Spekulieren verleitet und ihm einen Haufen Schulden aufgebürdet, wäre aus ihm vielleicht ein ganz passabler Feld-, Wald- und Wiesenanwalt geworden.
Stattdessen gaben sie ihm unbesicherte Kredite, mit denen der Junge aus kleinen Verhältnissen reich werden wollte. Doch die Rechnung ging nicht auf: 300 000 Mark Miese sollte er am Ende bei der Volksbank Ebersbach abstottern.
„Und da habe ich erstmals den Sinn meines Jurastudiums begriffen“, sagt er, und in den blauen Augen blitzt die Genugtuung. Der Student klagte – und gewann. Die Bank blieb auf den Verlusten sitzen, und der Aufstieg des Kapitalmarktschrecks Tilp begann. Zurückgeblieben ist ein Misstrauen gegen Banken und ihre Produkte: „Im Spielkasino haben Anleger größere Chancen auf einen Gewinn als am Kapitalmarkt, denn das ist ein Spiel mit gezinkten Karten.“ Das hat er selbst erlebt: 400 000 Euro kostete ihn ein Ausflug an den Neuen Markt. „Seitdem lege ich mein Geld nur noch dort an, wo ich es kontrollieren kann.“
Und das ist die Firma: eine ehemalige Baumwollspinnerei im Neckartal, im 6 000-Seelen-Nirgendwo zwischen Tübingen, Reutlingen und Stuttgart, eine Dependance am noblen Berliner Ku’damm und Partner in den USA sowie bald auch in Holland, Frankreich und Italien. Denn Deutschland ist Tilp nicht mehr genug. Er setzt auf Internationalisierung und bleibt doch selbst am liebsten in der Schwäbischen Provinz.
Gegnerische Anwälte gehen in Deckung vor seiner Lust zu schwadronieren, argumentieren und räsonieren, der niemand entkommt. Tilp ist ein Getriebener und ein Treiber, der auch sonntags im Büroloft über Fällen brütet. Kreativ und fantasievoll nennen ihn Ex-Mitstreiter, „dominant“ und „eitel“ Menschen, die ihm nicht mehr wohlgesinnt sind.
Er genießt den Neid: „Ich bin weit gekommen und erfolgreich geblieben“ – und wem das nicht passt, den streicht er aus seinem Kalender.
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