Im laufenden Geschäftsjahr ist die Lufthansa mit der Swiss auf Rekordkurs – bei Umsatz und Gewinn. Von seinem Vorgänger, dem trotz manchen Wutausbruchs als „Mr. Lufthansa“ verehrten und heutigen Aufsichtsratschef Jürgen Weber, „spricht heute keiner mehr“, sagt ein langjähriger Lufthanseat: „Mayrhuber wird nicht geliebt, Mayrhuber – und das ist ein viel größeres Verdienst – wird geachtet.“
Mayrhuber, dessen Vertrag Ende 2010 endet, ist trotz aller Höhenflüge ein Manager mit Bodenhaftung geblieben. Seine Art ist höflich und offen. Auf Veranstaltungen lässt er gerne mal die Augen schweifen. Ein fröhliches Zwinkern und ein kurzes Kopfnicken ist dann seine Form des stillen Grußes. Einen privaten Jet, wie ihn andere Dax-Chefs ihr Eigen nennen, hat Mayrhuber nicht. Der Herr der Kraniche fliegt Linie – und sitzt auf Kurzstrecken auch schon mal in der Economy.
Aber im Übernahmepoker mischt Mayrhuber kräftig mit – in die Karten schauen lässt er sich wie einst bei der Swiss freilich nicht. Während er in Kairo die arabische Küche genießt und mit dem Chef von Egypt Air parliert, spricht wahrscheinlich gerade einer seiner Unterhändler mit einem McKinsey-Berater wegen Alitalia, wägt ein anderer die Synergien bei Iberia ab und verhandelt ein dritter in Stockholm mit SAS über die Modalitäten für die Aufstockung der Anteile an BMI. Allen Berechnungen liegt aber Mayrhubers Motto zugrunde: Lieber mal eine Chance nicht zu ergreifen, als eine übereilte Entscheidung zu treffen, die einer Fluggesellschaft in ihrer zyklischen Industrie die Flügel brechen kann.
Konkret bedeutet dies: Übernahmeziele müssen die investierten Finanzmittel kurz- bis mittelfristig zurückverdienen. Die ertragsschwache Iberia ist ihm deshalb für vier Milliarden Euro „zu teuer“. Als Techniker hat Mayrhuber gerne die Kontrolle, sprich die Mehrheit. Bei Alitalia sind ihm deshalb 49 Prozent zu wenig.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Entscheidungen trifft Mayrhuber allein
