LaSorda weiß, dass er seinen Vorgänger im vergangenen Sommer enttäuscht hat. Noch Anfang September hatte der 52-Jährige dem Handelsblatt gesagt, er gehe von einem Gewinn bei Chrysler aus. Keine zwei Wochen später, am 15. September 2006, platzt die Bombe: Gewinnwarnung bei Chrysler, 1,5 Milliarden Dollar Verlust im dritten Quartal – Zetsches erster großer Rückschlag in seiner Amtszeit.
Jetzt soll LaSorda eine Suppe auslöffeln, an der Zetsche als Chrysler-Chef zwischen 2000 und 2005 wesentlich mitgekocht hat. Schon Ende 2005 stellte Chrysler seinen Händlern auffällig viele Fahrzeuge auf den Hof und rechnete sie in der Bilanz ab. Zetsche brauchte den Erfolg, um Konzernchef zu werden. LaSorda trug den Kurs mit, schließlich wurde er nach Zetsches Beförderung Vorstandschef der US-Sparte.
Für einen Trainer sei es immer schwer, ein Team zu übernehmen, das im Vorjahr gut abgeschnitten hat, sagte der Baseball-Fan. Er sollte Recht behalten. Dass die US-Kunden bald scharenweise zu sparsameren Autos greifen würden – die Chrysler nicht im Programm hat –, kam für alle überraschend. Aber mit der Überproduktion verschärften sich die Probleme bei Chrysler.
Als Entschädigung für die schwere Erbschaft erhielt LaSorda frühzeitig im Sommer 2006 eine überraschende Vertragsverlängerung um fünf Jahre und damit eine kleine und letzte Chance, die Firma unter dem Dach von Daimler zu sanieren.
Seine Qualitäten als Arbeitstier, das morgens um fünf Uhr aufsteht, sind jetzt mehr denn je gefordert. 13 000 Mitarbeiter muss er heimschicken, ein Werk schließen und weitere Schichten streichen. Dann soll er eine Restmannschaft motivieren, die neuerdings vermutet, dass sie allenfalls noch für den Verkauf geschmückt wird. LaSorda will diese Unsicherheit „eher früher als später“ beendet wissen, sagt er im „Wall Street Journal“. Er will, er muss weiterkämpfen – mit oder ohne Daimler im Rücken. Das Schicksal des drittgrößten US-Autoherstellers hängt auch von LaSordas Geschick bei den Verhandlungen mit den Gewerkschaften ab. Zum Überleben braucht Chrysler wie seine Rivalen GM und Ford deutliche Zugeständnisse von den Arbeitnehmern.
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