Bleibt die UAW hart, steht LaSorda auf verlorenem Posten. Dabei bringt der gebürtige Kanadier gute Voraussetzungen für die Verhandlungen mit. Er wuchs als eines von neun Kindern in einer Arbeiterfamilie in Windsor auf. Die kanadische Stadt liegt der US-Autometropole Detroit gegenüber auf der andern Seite des Grenzflusses. Vater und Großvater waren Gewerkschaftsführer und arbeiteten bei Chrysler. Tom aber wollte lieber Manager werden, als am Band zu stehen.
Damals noch langhaarig, studiert er Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft, absolviert seinen Master in BWL. Das Geld für den Studiengang verdient er bei GM, wo er auch seinen ersten Job annimmt. In Deutschland wird er bekannt, als er nach der Wende für GM den Aufbau des Opel-Werks in Eisenach leitet. Zetsche wirbt LaSorda 2000 zur Firma seiner Väter ab. Schon bei der Krise vor fünf Jahren muss er Tausende Jobs abbauen und Dinge streichen, für die seine Vorfahren noch gekämpft haben. Auf Nachgiebigkeit wegen seiner Biografie können die Gewerkschaften nicht hoffen: LaSorda steht mit dem Rücken zur Wand.
Für seine Frau und die Töchter dürfte da kaum Zeit bleiben, noch weniger für seine Leidenschaft Golf. Auch Zwillingsbruder Tony dürfte zu kurz kommen. Einst hat er ihn in Eisenach aus Spaß an seiner Stelle ins Büro geschickt – und keiner hat es auf Anhieb gemerkt.
LaSorda muss in den nächsten Monaten an so vielen Fronten kämpfen, er könnte einen Doppelgänger gut brauchen. Kritiker trauen dem Produktionsprofi zu, die Kosten zu drücken. Sie zweifeln aber, dass er der Richtige ist für andere drängende Aufgaben: die Entwicklung neuer Autos, für Marketing und Vertrieb.
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