Der Carlsberg-Manager Wolfgang Burgard will als neuer Präsident der deutschen Brauer die zersplitterte Zunft einen – und greift dazu auch mal auf Bibelsprüche zurück. Kann der Pragmatiker die Trendwende für die gebeutelten Branche schaffen?
BERLIN. Wenn es denn stimmt, dass Brauer nicht nur trink-, sondern auch bibelfest sein müssen, dann ist Wolfgang Burgard der richtige Mann zur richtigen Zeit. „Das letzte Wunder in der Getränkeindustrie geschah bei der Hochzeit von Kana“, ist eine der Lieblingsweisheiten des heutigen Deutschlandchefs von Carlsberg, der nun als frischgewählter Präsident des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) die Branche einigen und stärken soll. Manch Insider glaubt allerdings, dass es dazu wohl eines Wunders bedürfe. Wie in Kana, als Jesus Wasser in Wein verwandelte.
Burgard, 60, tritt sein neues Amt jedenfalls in einer schwierigen Zeit an. Denn die geplante Großfusion der Brauriesen Inbev und Anheuser-Busch könnte dem deutschen Bier schweren Schaden zufügen. Das zumindest glaubt Rüdiger Ruoss, ein langjähriger Branchenbeobachter und -berater. „Zusammenschlüsse in dieser Größenordnung ziehen weitere Megafusionen nach sich“, sagt Ruoss. Für ihn heißt das, sollte Inbev mit seinem Übernahmeversuch Erfolg haben, stünden internationale Branchengrößen wie SAB-Miller, Heineken oder Carlsberg ihrerseits vor der Entscheidung, durch einen Zusammenschluss an Größe zu gewinnen. Die neuen Biergiganten würden sich alsbald so viel Regalfläche im Einzelhandel sichern, dass die deutschen Spitzenbiere ernsthafte Schwierigkeiten bekommen könnten.
Burgard aber, der normalerweise eine kräftige, bildhafte Sprache bevorzugt und sich scheinbar durch kaum etwas erschüttern lässt, sieht „keine große Auswirkungen auf den deutschen Markt“. Allerdings ist der erste Repräsentant der deutschen Brauindustrie in dieser Frage auch zu strikter Neutralität verpflichtet. Denn die deutsche Tochter des belgisch-brasilianischen Braukonzerns Inbev ist Mitglied seines Verbands.
Burgards Zurückhaltung könnte aber auch damit zusammenhängen, dass der einstimmig gewählte Präsident erst einmal andere Sorgen hat. Er muss die Brauer-Gemeinschaft einigen.
