Nestlés Finanzvorstand Paul Polman, der vor zwei Jahren vom US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble an den Genfer See wechselte, war hingegen in der Öffentlichkeit lange der Favorit für den Spitzenposten. Die Wertpapieranalysten lieben seine klare Sprache und sein gradliniges Auftreten. Der 51-Jährige kommt auch außerhalb der Finanzwelt gut an. Denn der Niederländer präsentiert sich nicht als unterkühlter und penibler Zahlenakrobat, sondern als eher besonnener Spitzenmanager, der noch nie die Bodenhaftung verloren hat. Über sein soziales Engagement, das benachteiligten Kindern in Schwarzafrika gilt, verliert er in der Öffentlichkeit kaum ein Wort. Der verheiratete Vater von drei Kindern, der im niederländisch-deutschen Grenzgebiet in Enschede zur Welt kam, übt sich da in Bescheidenheit.
Dass Polman, nach seiner Niederlage im Rennen um den Platz des Vorstandsvorsitzenden, jetzt bei Nestlé bleibt, wird ihm ebenfalls hoch angerechnet. Konzernchef Peter Brabeck übertrug dem promovierten Juristen nun das Amt des Amerika-Chefs, das er als Nachfolger von Bulcke im nächsten Frühjahr antreten wird.
Dabei ist der Wechsel, der keineswegs als Abschiebung zu verstehen ist, offenbar Teil eines Deals mit der Nestlé-Spitze. Zwar schaffte es der passionierte Marathonläufer in den 26 Jahren, die er für Procter & Gamble arbeitete, bis zum Europa-Chef des US-Konzerns. Aber das reicht dem Verwaltungsrat offensichtlich (noch) nicht als Qualifikation für den Top-Posten in Vevey. Deshalb soll Polman jetzt offensichtlich in Nord- und Südamerika, der größten und profitabelsten Region des Nahrungsmittelmultis, die Erfahrungen im operativen Geschäft sammeln, die ihm für Höheres fehlen.
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