Deshalb fiel die Wahl zum künftigen Konzernchef auf Paul Bulcke, den Brabeck denn auch als „starke, pragmatische Führungspersönlichkeit“ lobte. Ein Mann, so richtig nach dem Geschmack des Nestlé-Verwaltungsrates. Ebenso wie sein Vorgänger, der als Chef des Aufsichtsgremiums weiter die Kontrolle über den Konzern behält, hat er sich hochgearbeitet. Vor fast dreißig Jahren begann der Belgier beim Nahrungsmittelmulti als Marketing-Trainee in der Zentrale. Nach einem Aufenthalt in Südamerika stieg der heute 53-Jährige vom Länderchef in Portugal und in Tschechien zum Deutschland-Chef auf.
Hier trat er die Nachfolge des mit wenig Fortüne gesegneten Hans Güldenberg an, der fortan das Nestlé-Geschäft in Russland und Kasachstan voranbringen sollte. So sehen Karrierebrüche beim Multi aus. Als Deutschland-Chef verhielt sich Bulcke außerordentlich geschickt. So mied er, anders als sein Vorgänger, zunächst jeglichen Kontakt mit der Presse und konzentrierte sich ganz auf die Neuordnung des Geschäftes.
Daher kam die Öffentlichkeit kaum in den Genuss von Kostproben seines trockenen Humors. Trotz aller Herkules-Arbeit in Deutschland und später in Nord- und Südamerika, kann Bulcke beim Konsum einer guten Zigarre durchaus Entspannung finden. Im Schatten von Konzernlenker Brabeck oder dem Ehrenvorsitzenden Helmut Maucher konnte Bulcke aber genauso wie sein Konkurrent Polman noch nicht das Charisma eines Firmenpotentaten entwickeln.
Trotzdem dürften die weiteren gestern von Brabeck bekanntgegebenen Personalien aufs Engste mit Bulcke abgestimmt sein.So wird Marc Caira Leiter des in Nestlé Professional umbenannten Food-Services. Richard Laube steigt zum Generaldirektor der Nutrition-Sparte auf und John Harris übernimmt von Carlo Donati, der in den Ruhestand wechselt, die Verantwortung für Nestlé Waters.
Neben der Polman-Personalie gab es gestern noch eine wichtige Neuigkeit: James Singh, bisher für die Umsetzung der Akquisitionen verantwortlich, wird Nestlé-Finanzchef. Der 61-jährige Kanadier mit indischen Vorfahren gilt in der Finanzöffentlichkeit als weitgehend unbeschriebenes Blatt. Singh, Bulcke und Polman nannte der Noch-Konzernchef Brabeck gestern „ein starkes Team“. Es wird sich zeigen, ob sich Polman am Schluss als der Stärkere im Team erweisen wird.
Vita
1956
Paul Polmann wird in Enschede/Niederlande geboren. Er studiert Wirtschaft in Groningen/Niederlande und Cincinnati/USA.
1979
Er arbeitet bei verschiedenen Unternehmen im Finanzbereich in Belgien, Holland und Frankreich.
1986
Er wechselt zum Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G).
1995
Polman steigt zum Vice President von P&G in Großbritannien auf.
2001
Er wird Group President für P&G in Europa.
2006
Polman wird Finanzvorstand beim Lebensmittelriesen Nestlé.
