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17.08.2007 
Harald Schmidt wird 50 Jahre

TV-Lästermaul geht vor so viel Lob in Deckung

von Hans-Peter Siebenhaar

Der Entertainer Harald Schmidt wird 50 Jahre – den Rummel um seine Person meidet er aber. Mit der Hilfe seines Freundes Fred Kogel vermarktet sich der Schwabe schon so auf allen Kanälen perfekt.

Das Publikum wird von Harald Schmidts Geburtstag nichts mitbekommen. Foto: dpaLupe

Das Publikum wird von Harald Schmidts Geburtstag nichts mitbekommen. Foto: dpa

BERLIN. Fred Kogel kann sich noch wie heute daran erinnern. Es war bei einer Aufzeichnung der langweiligen Unterhaltungsshow „Verstehen Sie Spaß?“ in der Schweiz, als der frisch gebackene Sat-1-Chef Kogel den glücklosen Showmaster Harald Schmidt fragte, ob er nicht eine Late-Night-Show für seinen Privatsender machen wolle. Schmidt überlegte und sprang ins kalte Wasser. 1995 startete das im schwäbischen Nürtingen aufgewachsene Multitalent seine zweite Karriere, die ihn bis heute ausfüllt. Am Samstag feiert Schmidt seinen 50. Geburtstag – still und leise.

Schmidt und Kogel blieben seitdem unzertrennlich. „Harald Schmidt ist mein bester Freund“, sagt Kogel, heute Chef der Constantin Film. Längst hat Schmidt dem Privatsender Sat 1 den Rücken gekehrt und ist zur ARD zurückgekommen. Die ARD ist noch immer die sicherste Bank im deutschen Fernsehgeschäft. Schmidt und sein Freund Kogel haben dafür sogar eine eigene Firma gegründet, die „Kogel & Schmidt GmbH“. Sie vermarktet das Produkt Harald Schmidt nach allen Regeln der Kunst. Ein lukratives Geschäft mit hohen zweistelligen Renditen, wie in der Branche gemunkelt wird. Denn Schmidt ist überall – im Fernsehen, auf DVD, CD, Handy oder im Internet.

An Lob fehlt es in diesen Tagen für Schmidt nicht. „Harald Schmidt unterhält mit Witz und Intellekt“, formuliert Kogel. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff hat sogar einen Brief aufgesetzt. Launig schreibt Raff seinem schwäbischen Landsmann, dessen Sendung den Gebührenzahler jährlich Millionen kostet: „Als Kabarettist, Schauspieler, Moderator, Kolumnist und Schriftsteller sind Sie jedenfalls eines der wenigen großen Multitalente der deutschen Medienlandschaft – daneben bestehen vermutlich nur noch Florian Silbereisen und Franz Beckenbauer.“

Harald Schmidt geht vor so viel Lob in Deckung. Keine große Party, keine öffentlichen Ehrungen. „Da bin ich auf See. Urlaub. Ich werde mir das aber auch danach schenken“, vertraute Schmidt dem „Spiegel“ an.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Showtalent frühzeitig entdeckt

Oliver Pocher und Harald Schmidt stehen ab Oktober 2007 gemeinsam auf der Bühne. Foto: dpaLupe

Oliver Pocher und Harald Schmidt stehen ab Oktober 2007 gemeinsam auf der Bühne. Foto: dpa

Sein Showtalent hatte Schmidt selbst frühzeitig entdeckt. Der einstige Kirchenorganist wollte ursprünglich Priester werden. Doch dann entschied er sich doch für die Bühne. Seinen bösen Humor entdeckte die legendäre Kabarettistin Lore Lorentz. Sie holte Schmidt bereits 1984 an das Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“. Fünf Jahre später war Harald Schmidt bereits mit seiner Show „MAZ ab!“ bei der ARD auf Sendung.

Schmidt ist ganz Profi. Bei seinem beißenden Humor legt er sich mit jedem an, aber nie wirklich mit den Medienmächtigen. „Harald Schmidt hat eine persönliche Beziehung zu Leo Kirch“, berichtet Kogel. Der Medienunternehmer Kirch verfolgte von Anfang an mit Sympathie seine Late-Night-Show, während Springer-Blätter wie „Bild“ den Entertainer damals scharf angriffen. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Und Schmidt macht längst keine Polen-Witze mehr, sondern gefällt sich als TV-Liebling der Nation. Diese Rolle will er noch lange ausfüllen. Ähnlich wie sein großes Vorbild David Letterman.

Ab Herbst wird Harald Schmidt in der ARD aber nur einmal pro Woche mit einer einstündigen Sendung gemeinsam mit der pubertierenden Nervensäge Oliver Pocher zu sehen sein. „Er wird immer auf Sendung sein. Im Gegensatz zu anderen Entertainern braucht er die Fernsehbühne nicht. Er hat viele Bühnen – in Theatern, in Sälen, literarischen Cafés, im Internet“, sagt Kogel.

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