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11.02.2008 
Sotheby's

Valentinsgrüße aus der New Bond Street

von Christoph Mohr

Sie ist eine der mächtigsten Akteurinnen auf dem internationalen Kunstmarkt. Ohne die Sotheby's-Frau Cheyenne Westphal, die für alles verantwortlich ist, was das Auktionshaus im Bereich der zeitgenössischen Kunst in Europa veranstaltet, wäre Gerhard Richter vielleicht nicht der teuerste lebende Künstler geworden. Nun steigt Westphals neuester Coup.

Der Künstler Gerhard Richter posiert vor seinem Gemälde "Abstraktes Bild, Courbet". Foto: apLupe

Der Künstler Gerhard Richter posiert vor seinem Gemälde "Abstraktes Bild, Courbet". Foto: ap

HB. Es soll die größte Charity-Auktion der Geschichte werden. Wenn in der nächsten Woche bei Sotheby’s in New York einhundert Werke zeitgenössischer Künstler für den Kampf gegen Aids versteigert werden, sollen 20 Millionen Dollar zusammen kommen, eher 30 bis 40 und mehr. Damien Hirst und Jeff Koons, die Kunst-Millionäre der 90er haben Werke zur Verfügung gestellt, die deutschen Altstars Georg Baselitz und Anselm Kiefer, ein C-Print des deutschen Fotokünstler Andreas Gursky ist zu ersteigern, eine Video-Arbeit von Bill Viola, ein signiertes Blatt des Verpackungskünstlers Christo und eine zerhackte rote Telefonzelle des britischen Streetart-Künstlers Banksy.

Die Frau hinter „The (RED) Auction“ am Valentinstag ist eine junge Deutsche. „Bono und Damien Hirst hatten die Idee im Urlaub“, erzählt Cheyenne Westphal, Chairman of Contemporary Art bei Sotheby’s in London, mit der Selbstverständlichkeit derer, die von den Stars der Kunstwelt nur einen Telefonanruf entfernt sind. Hirst, der selbst ein großformatiges „All you need is love“-Herz (1 bis 1,5 Millionen Dollar) und mehrere andere Werke beisteuert, schrieb die Bettelbriefe an die Künstlerkollegen, Westphal machte den Rest. Bei Sotheby’s weiß man eben, wie man eine Auktion veranstaltet und potenziellen Kunden viel, manchmal sehr viel Geld aus der Tasche lockt.

Die 40-jährige Deutsche ist seit 1990 bei Sotheby’s und seit 1999 verantwortlich für alles, was das Auktionshaus im Bereich der zeitgenössischen Kunst in Europa macht. (Picasso gehört schon in eine andere Schublade, ganz zu schweigen von den Impressionisten, die früher Auktionsrekorde garantierten.) Und alles, was sie und ihr Team in der Londoner New Bond Street machen – Sammler treffen, potenzielle Käufer und Verkäufer, Kunstwerke suchen und schätzen, den Katalog zusammenstellen – alles kulmininiert in den großen Auktionen im Frühjahr und Herbst. Und kaum jemand ist hier so erfolgreich wie sie.

Der von Westphal verantwortete „Sotheby’s Contemporary Art Evening Sale“ im letzten Herbst brachte 35 Millionen Pfund ein, das beste Ergebnis jemals, und dreimal mehr als im Vorjahr. Das teuerste Werk der Abendauktion wurde mit 2,9 Millionen Pfund zugleich das teuerste Werk eines zeitgenössischen Künstlers aus China, und insgesamt schlug bei einem Dutzend „Losen“ der Hammer erst bei über einer Million zu. Eine Installation des britischen Starkünstlers Hirst versteigerte Sotheby’s im vergangenen Juni für den Rekordpreis von 9,6 Millionen Pfund.

Überhaupt war es ein phantastisches Jahr für Sotheby’s. Der „Rockefeller-Rothko“, eine 205 mal 141 Zentimeter messende Leinwand des US-Künstlers Mark Rothko aus der Sammlung von David Rockefeller, brachte im Mai in New York 65 Millionen Dollar und war damit der teuerste Kunstverkauf des vergangenen Jahres weltweit. Und mit 316 Millionen Dollar brachte die große Auktion zeitgenössischer Kunst in New York im November vergangenen Jahres das beste Ergebnis in der 263-jährigen Geschichte des Auktionshauses.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Markt ist heiß gelaufen.

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