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11.02.2008 

Was das heißt, zeigt Westphals vielleicht bemerkenswertester Coup: Im Jahr 2004 versteigert Sotheby’s das gesamte Interieur von Damien Hirsts Restaurant „Pharmacy“ in Notting Hill. 1998 eröffnet, war es rasch zum Symbol und Inbegriff von „Cool Britannia“ geworden. Die gesamte Innenausstattung bis hin zu Gläsern, Geschirr und Barhockern hatte der 1965 geborene Künstler entworfen. Ein fulminanter Verkaufserfolg: 11 Millionen Pfund. Man muss Hirst nicht für den größten zeitgenössischen Künstler halten. Tatsache aber ist, dass es wohl kaum ein Magazin gibt, das nicht seine beiden bekanntesten Werke, den in Formaldehyd eingelegten Tigerhai (1991) und den mit 8601 Diamenten besetzter Totenschädel (2007) abgedruckt hat. Westphal hat ganz offensichtlich den richtigen Riecher gehabt.

Kein Einzelfall. Im letzten Herbst brachten bei der wichtigsten Sotheby’s-Auktion für zeitgenössische Kunst nicht die Altstars wie Francis Bacon, David Hockney, Gerhard Richter, Mark Rothko oder Andy Warhol die höchsten Preise. Den Rekord des Tages erzielte mit 2,9 Millionen Pfund eine Arbeit des 1962 geborenen chinesischen Künstlers Yue Minjun, die selbst nur zehn Jahre alt ist. Das ist zugleich die höchste Summe, die jemals für einen lebenden chinesischen Künstler bezahlt worden ist. Und dabei blieb es an diesem 12. Oktober 2007 nicht: Eine Arbeit des Inders Raquib Shaw, für 400 000 bis 600 000 Pfund angesetzt, erzielte 2,7 Millionen Pfund, auch das ein „Weltrekord“ für einen indischen Künstler. Die Gewichte auf dem Weltmarkt der Kunst verschieben sich, Westphal ist dabei.

So ist es nicht verwunderlich, dass das Kunstmagazin „ArtReview“ Westphal seit einigen Jahren zu den 100 wichtigsten Menschen des internationalen Kunstmarktes zählt – mit aufsteigender Tendenz. Das jüngste „The Art-Review Power 100“-Ranking, das auch vom einflussreichen „Wall Street Journal“ veröffentlicht wird, sieht die Kunstfrau auf Platz 18.

Bemerkenswerterweise ist Kunst der Apothekerstochter aus Baden-Baden nicht in die Wiege gelegt worden. „Als ich Abitur machte, hatte ich keine Ahnung, was ich einmal beruflich machen sollte, vielleicht Modedesign studieren oder eine Schneiderlehre machen.“ Eine Kundin ihres Vaters brachte sie auf die Idee, für einige Monate an die schottische Universität St. Andrews zu gehen, um ihr Englisch zu verbessern und über ihre Zukunft nachzudenken. Westphal, damals die einzige Deutsche an der schottischen Eliteuniversität, gefiel die persönliche Atmosphäre der 4 000-Studenten-Hochschule und blieb. Kunstgeschichte und Business Studies belegte sie bis zum Bachelor. Danach gab ihr ein Stipendium – „allein hätte ich die 10 000 Dollar Studiengebühren nicht aufbringen können“ – die Möglichkeit, einen Master an der University of California at Berkeley zu machen, weltweit eine der Spitzenhochschulen in der Beschäftigung mit moderner Kunst. Das wurde so etwas wie ein Aha-Erlebnis: „Mir wurde klar, dass Kunst auch frisch und neu sein und unsere Zeit bedeuten kann. Das wollte ich machen.“ Mehr allerdings nicht: „Ich wusste immer noch nicht so richtig, was die Kunstwelt ist.“ Da sie wegen des ablaufenden Studentenvisums nicht in den USA bleiben konnte, bewarb sie sich für das Graduate Trainee Programme bei Sotheby’s in London. Und wurde als eine von sieben unter 2 000 Bewerbern genommen!

Westphal war 23 Jahre jung, enthusiastisch, sprach Deutsch, Englisch, Französisch und brachte diese Mischung aus Fachwissen und leichtem menschlichen Kontakt mit, die man für ihren Job braucht. „Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes im Keller angefangen“, erzählt sie über die Anfänge ihrer Karriere bei Sotheby’s, dort, wo das Auktionshaus die Kunstwerke aufbewahrt, die zur Versteigerung kommen sollen. „Abmessen, Katalogisieren, Provinienz bestimmen, Preisrecherchen – damit hat es begonnen.“ En passant lernte Westphal auch etwas anderes: „Wenn Sie zehn Stunden am Tag mit Kunst zu tun haben, bekommen sie ganz automatisch einen Blick für Qualität.“ Vielleicht. Viel wichtiger aber war wohl, dass Westphal begriff, worauf es im Kunstgeschäft wirklich ankommt: Welche Künstler sind gefragt? Welche sind auf dem Markt zu bekommen?

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Der fulminante Aufstieg.

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