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19.03.2008 

Robertson muss sich im neuen Job radikal umstellen. Denn als Chef der Nobeltochter Rolls-Royce hat er jedes Jahr nur 1 000 Luxusautos nach Maß an eine ausgesuchte Klientel verkauft. Jetzt muss Robertson die feinen handgegerbten Lederhandschuhe ausziehen. Denn beim Kampf um Absatzerfolge der Marken BMW und Mini, für die er nun verantwortlich ist, geht es härter zur Sache. Vor allem aber will BMW schnell wachsen und gleichzeitig die Rendite kräftig nach oben treiben.

Robertson verkörpert den klassischen Briten, schlank, hohe Stirn, freundlich, distanziert, aber mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. Er ist – nach dem Schweizer Bob Lutz – der zweite Ausländer überhaupt im BMW-Vorstand. Seine Deutsch-Kenntnisse liegen auf „Schulniveau“, räumt er ein. Englisch wird deswegen trotzdem nicht Amtssprache des Vorstands, sagt ein Kollege. Verstehen könne Robertson nämlich das Deutsche sehr gut.

Zum Glück beherrscht Robertsons Frau, eine Zahnärztin, die deutsche Sprache perfekt. Sie hat längere Zeit in Bad Homburg verbracht, rein zufällig in der Nähe der Quandt-Zentrale. Die Familie Quandt ist Mehrheitsaktionär und damit Schutzschirm für BMW.

Der neue Vertriebsvorstand, Vater zweier fast erwachsener Kinder, gilt als Teamspieler mit einem klaren Blick auf Zahlen. Den wird er auch benötigen. Denn der Gegenwind wird für den bayerischen Autokonzern schärfer. Zwar fuhr BMW auch 2007 erneut einen Absatzrekord ein, aber der Ingolstädter Konkurrent Audi macht den Münchenern mit einer Modelloffensive und ersten Plätzen in Leser-Ranglisten von Fachzeitschriften das Leben schwer.

Robertson wird daher seinen eigenen Weg gehen müssen. Aber es gibt kaum jemanden, der ihm das nicht zutraut. Der Brite kennt das Vertriebsgeschäft schon aus seiner Zeit als Leiter des BMW-Südafrika-Geschäfts. Er sorgte dafür, dass sich die Produktion im Werk Rosslyn verdreifachte. „Da unten lernt man, was es heißt, einen Konzern zu leiten“, sagt Robertson nicht ganz unbescheiden. In Südafrika müsse man alles machen: politische Verbindungen knüpfen, mit den Gewerkschaften verhandeln, die Produktion unter Kontrolle haben und das Marketing steuern. Die Zeit am Kap war aber auch fürs Netzwerken gut: In Südafrika habe er „Norbert“ (Reithofer) kennengelernt.

Auch BMW weiß, was es an dem Manager hat, der in seiner Freizeit gerne joggt und Ski fährt. Denn Robertson ist eines der wenigen Überbleibsel aus dem Rover-Debakel von BMW. Als Geschäftsführer von Land Rover hatte er den Bayern so gut gefallen, dass sie ihn behielten – und 1999 sogar zum Chef von BMW in Südafrika machten. In der Autoindustrie gilt das als Auszeichnung. Viele spätere Topmanager durften sich in Südafrika schon erste Sporen verdienen, darunter Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder, Ex-Daimler-Boss Jürgen Schrempp und GM-Europachef Carl-Peter Forster.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Robertson muss sich von Traditionen verabschieden

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