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16.05.2008 

Die Suche nach einem Nachfolger für Sälzer, der aus dem Herrenschneider einen integrierten Modekonzern mit Damenlinie und Accessoires machte, gestaltete sich schwierig. Nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen winkten einige Topkandidaten ab. Ihre Sorge - und die wollte Permira nicht nehmen: Ende 2008 eine weitere Sonderdividende beschließen zu müssen.

Das Machtvakuum an der Spitze von Hugo Boss ist mit Lahrs aber erst einmal gefüllt - und das wurde auch höchste Zeit. Der größte deutsche Modekonzern strauchelte in den vergangenen Wochen von Panne zu Pleite zu Peinlichkeiten.

Die Panne: Valentino-Chef Stefano Sassi sagte in einem Interview, dass er Hugo Boss verkaufen oder von der Börse nehmen könnte. Permira jagte daraufhin eine "Klarstellung" über die Nachrichtenagenturen. Die Pleite: Die Umsätze im ersten Quartal waren schwächer als erwartet. Wie Einzelhändler dem Handelsblatt berichteten, lag das weniger an der Witterung als vielmehr am Imageverlust der Marke. Peinlich: Auf der Hauptversammlung liefen Kleinaktionäre Sturm gegen die neuen Eigentümer und den "Erfüllungsgehilfen" Aufsichtsratschef Vita. Wie Öl ins Feuer wirkte ein Fehler im Geschäftsbericht. Demnach billigte der Aufsichtsrat den Jahresabschluss, bevor der Vorstand diesen bewilligt hatte.

Lahrs muss für den neuen Job nicht nur den Anzug wechseln - von Dior Homme zu Boss Selection -, er muss auch die Ärmel hochkrempeln. Lahrs, der neben Deutsch fließend Französisch, Englisch und Spanisch spricht und sich anders als Sälzer nicht jede Antwort abringen lässt, muss als Erstes die Mitarbeiter neu motivieren und das bunte Vorstandsteam einen. Neben ihm selbst neu an Bord ist noch Hans Fluri. Der Ex-Vorstand vom Paketdienst DPD ersetzte im März Produktionsvorstand Lackas. Alte Bossianer sind André Maeder (Einzelhandel) und Finanzvorstand Joachim Reinhardt.

Dass Lahrs nicht nur den schönen Künsten huldigen kann, sondern auch ans schnöde Geldverdienen denkt, hat er in Paris in Ansätzen gezeigt. 2006 lancierte er eine Zwischenkollektion von Dior Couture. Die "Cruise-Line" war eine Reaktion auf das Designtempo, das vertikale Modekonzerne wie Zara vorgeben. Umstellen wird sich Lahrs aber trotzdem müssen. Champagner aus Bleiglasflöten und vergoldete Makronen wie zuletzt zum Defilee der neuen Dior-Homme-Kollektion kann er in Metzingen nicht erwarten - eher Kässpätzle und Dinkelacker-Bier.

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