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11.05.2008 

Nicht nur das Flughobby verband die beiden Männer. Ohga besuchte Karajan auch auf einer Segelregatta rund um Sardinien und verbrachte dort einige Tage mit dem Dirigenten und seiner Frau in der Villa eines Bekannten. Der Japaner und der Österreicher redeten bei solchen Gelegenheiten endlos über neue Audiotechnik. Und übers Geschäft, denn Ohga hätte es gern gesehen, wenn Karajan mehr Bild- und Tonrechte über Sony vermarktet hätte. Karajan zuliebe wählte der japanische Weltkonzern einen Standort in Österreich für seine europäische CD-Fabrik.

Im Jahr 1989 war Ohga zusammen mit einem amerikanischen Sony-Manager zu Gesprächen bei Karajan zu Hause in Anif bei Salzburg gefahren. Es war der 16. Juli, an diesem Tag sollte Karajan an einem Herzanfall sterben – während Ohga an seinem Bett stand. Die Karajans hatten am Morgen einen Arzt angerufen, weil der Dirigent sich nicht wohlfühlte. Als der Arzt eintraf, sprach Karajan jedoch gerade in seinem Schlafzimmer vom Bett aus mit den Musikmanagern. Er ließ den Doktor daher wegschicken. „Karajan sagte, selbst für den Kaiser von China werde er kein Gespräch mit mir unterbrechen“, erinnert sich Ohga. Karajan habe detailliert nach dem neuen Falcon-Flugzeug gefragt, mit dem die beiden Sony-Leute nach Österreich geflogen waren.

Etwa anderthalb Stunden später bat Karajan um Wasser. Er trank das Glas aus und kippte plötzlich zur Seite. „Es sah erst so aus, als ob er sich nach einem heruntergefallenen Bleistift bückte“, sagt Ohga. Sein amerikanischer Kollege erkannte jedoch sofort, dass der Dirigent einen Herzanfall erlitt. Der Butler ließ ausrichten, Karajans Frau Eliette wasche sich gerade die Haare. Ohga trommelte also heftig an die Badezimmertür, und Eliette rief einen Rettungshubschrauber, während Karajan vor Ohgas Augen starb. Das war an einem Samstag. Der letzte Tag, an dem Ohga seinen Freund lebend sah.

Am Montag darauf wurde der Dirigent auf dem Ortsfriedhof von Anif beigesetzt – nur Ohga und die Familie wussten bisher vom Tod Karajans, dessen Wille es war, die Öffentlichkeit vom Begräbnis fernzuhalten. Der Verlust Karajans war ein größerer Schock, als Worte es ausdrücken können, sagt Ohga heute. Er war so erschüttert, dass er selbst am folgenden Tag während eines Meetings in Köln starke Schmerzen in der Brust bekam und ins Krankenhaus musste. Erst jetzt wurde ihm klar, dass Karajan wirklich aus der Welt geschieden war.

Der Kommodore fliegt die Maschine seitdem ohne seinen Kapitän weiter.

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