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13.07.2005 
Kurt Viermetz soll als Aufsichtsratschef für Ruhe bei der Deutschen Börse sorgen

Von der Wall Street nach Frankfurt

von Christoph Potthoff

Ein sympathischer älterer Herr ist Kurt Viermetz, oft sieht man ihn lächeln. Wer den 66-Jährigen, der beim Nachdenken gerne ein paar Sekunden die Augen schließt, zum ersten Mal sieht, käme nicht auf die Idee, dass er auf etwas anderes als einen geruhsamen Lebensabend zusteuert.

HB MÜNCHEN. Auch sein Büro bei der Immobilienbank Hypo Real Estate, deren Aufsichtsrat er vorsitzt, strahlt Gemütlichkeit aus: Klassischer Teppich, die Wände voller Bilder und ein großer Balkon verströmen Wohnzimmeratmosphäre an Stelle hektischer Betriebsamkeit.

Doch der Eindruck täuscht: Viermetz ist einer der renommiertesten deutschen Investmentbanker und bereitet sich auf einen der heikelsten Posten vor, den es in der deutschen Finanzwelt gibt: Aufsichtsratschef der Deutschen Börse. Gestern wurde er vom Amtsgericht Frankfurt zunächst als einfaches Mitglied des Gremiums bestellt, in wenigen Monaten soll er Rolf-E. Breuer als Chefkontrolleur ablösen. Ebenfalls neu im Börsen-Aufsichtsrat sind der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz, der ehemalige WestLB-Vorstand Gerhard Roggemann und der frühere Goldman-Sachs-Investmentbanker Richard Hayden.

Die zentrale Mission des gebürtigen Augsburgers Viermetz: Ruhe in den Konzern bringen, der in den letzten Monaten einen beispiellosen Machtkampf zwischen Aktionären und Management erlebt hat. Am Ende kostete dies Vorstandschef Seifert den Job. Zuvor hatten die Aktionäre rund um den Hedge-Fonds TCI bereits die Übernahme der Londoner Börse durch die Frankfurter torpediert und ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm erzwungen.

Als wäre das nicht Herausforderung genug, muss Viermetz damit leben, dass ihn manche in der Frankfurter Finanzszene für eine Fehlbesetzung halten. "Da wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben", sagt ein Banker. Soll heißen: Viermetz steht ähnlich wie sein Amtsvorgänger Breuer für die alte "Deutschland-AG" mit ihren Verkrustungen - und nicht für einen dynamischen Neuanfang.

Viermetz ist souverän genug, die Kritik an sich abprallen zu lassen. Es rührt zwar ein wenig an seinem Stolz, dass er kürzlich lesen musste, er sei "in Ehren ergraut" - wo er doch nur ein paar graue Strähnen im akkurat gescheitelten Haar hat. Aber an Erfahrung in der internationalen Finanzwelt nimmt es keiner mit ihm auf. In London arbeitete er schon, in Paris, Frankfurt und viele Jahre in New York, das eine zweite Heimat für ihn wurde.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er schaffte es an der Wall Street ganz noch oben

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