Sie entwickelt neue Verpackungen, ist an einer Kampagne mit „Sex and the City"-Star Sarah Jessica Parker beteiligt. Das Dove-Team sitzt auf demselben Flur, Ehlen hält Kontakt zu den ehemaligen Kollegen. So bekommt sie auch mit, wie die stagnierende Marke Dove neu positioniert werden soll. „Ich sah einen ersten Plakatentwurf für die Kampagne mit den kurvigen Frauen und dachte nur: Wow, das ist toll, das ist etwas anders." Sie lernt Silvia Langnado kennen, eine Brasilianerin, die damals für Dove weltweit verantwortlich ist: "Silvia hatte das richtige Bauchgefühl und die Vision, mit Dove die Diskussion über den gängigen Schönheitsbegriff anzustoßen. Wie sie für ihre Ideen gekämpft hat, ist für mich ein echtes Vorbild." Ehlen bewirbt sich auf die frei werdende Stelle der Teamleiterin und bekommt den Posten.
Heute - zweieinhalb Jahre später - hat Dove in Deutschland nicht nur das hundertste Produkt auf den Markt gebracht und ist Marktführer Nivea nahegekommen. Zusammen mit dem Zentrum für Essstörungen in Frankfurt bietet Dove „Body Talk Workshops" an Schulen an, in denen Jugendliche ein positives Körpergefühl entwickeln sollen. Anfang September wurde ein Online-Portal für Frauen ab 45 gestartet. In dem „Pro Age Netzwerk" können sich Frauen vernetzen und austauschen. Es sind Projekte, die es ohne Nicole Ehlen nicht geben würde. Wäre es jetzt nicht Zeit für den nächsten Karriereschritt? Der wird kommen, ist sie überzeugt, doch die nächste Herausforderung für Ehlen ist eine ganz andere.
Im November kommt ihr erstes Kind auf die Welt, der Babybauch ist nicht mehr zu übersehen. Vor der Geburt des Sohnes hat sie noch viel vor: Sie zieht zu ihrem Mann Tobias nach London, dann ist erst mal Schluss mit der lange geführten Wochenendbeziehung. Maximal ein Jahr möchte sie aus dem Beruf aussteigen. Ob sie glaubt, dass es in England leichter als in Deutschland ist, Kind und Karriere zu vereinbaren? „Das kann ich so nicht sagen, aber es ist sicher bezeichnend, dass es das Wort Rabenmutter nur im Deutschen gibt." Sicher würde es arbeitenden Müttern in Deutschland immer noch schwergemacht, sagt sie. Aber vieles sei eben auch eine Einstellungssache. "Einige Freundinnen erklären mich für verrückt, weil ich so kurz vor der Geburt noch in ein anderes Land ziehe. Aber ich bin schließlich auch zum Studium nach Spanien gegangen, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen."
Man traut ihr zu, die Herausforderung Familie und Beruf zu packen. Darauf hoffen auch ihre Vorgesetzten bei Unilever. „Von Nicole Ehlen wird man noch einiges hören. Ich kann sie mir in einer verantwortungsvollen Position im Bereich Produktinnovation vorstellen", sagt Marketingleiter Reiner Krüger. Da trifft es sich, dass wichtige Zweige von Unilever in London sitzen. Einer davon: das internationale Marketing von Dove.
