5 Bewertungen ****
19.07.2008 
Interview mit Achim Berg

„Warum stehe ich auf diesem Verteiler?“

Microsoft Deutschland-Chef Achim Berg hat sein Zuhause zu einem Smarthome umfunktioniert, das ihm eine Mail schickt, wenn jemand vor seiner Tür steht - inklusive Foto der Person. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Manager über den täglichen Kampf mit der E-Mail-Flut, den Wechsel von der Telekom zum Software-Riesen und das Leben im Großraumbüro.

Achim Berg (im März 2005): Der damalige Telekom-Manager ist heute Deutschland-Chef bei Microsoft. Foto: dpaLupe

Achim Berg (im März 2005): Der damalige Telekom-Manager ist heute Deutschland-Chef bei Microsoft. Foto: dpa

Herr Berg, Sie sind seit Januar 2007 Chef von Microsoft Deutschland. Wie war ihr erster Tag?

Der war schon verrückt. Ich habe einen Tag vor dem deutschen Windows Vista Launch angefangen. Das war die lauteste und größte Veranstaltung, die Microsoft je gemacht hat. Die Mitarbeiter haben mich vorher nur einmal kurz gesehen und dann stehe ich direkt auf der Bühne, mitten im Medienrummel und muss die richtigen Statements geben. Im Nachhinein muss ich sagen: Es war ein typischer Tag bei Microsoft. Man steht sehr in der Öffentlichkeit und muss viele Dinge einfach anpacken.

Sie waren vorher bei der Telekom als Vertriebs- und Marketingvorstand der Festnetzsparte. Der Konzern gilt als sehr bürokratisch und hierarchisch. Hatten Sie nach dem Wechsel einen Kulturschock?

Ich glaube, sechs Wochen habe ich schon gebraucht, um mich an alles zu gewöhnen. Microsoft ist schneller und jünger. Hier sitze ich mit den anderen Mitgliedern der Geschäftsführung in einem Großraumbüro, was ich erstmal etwas irritierend fand. Jetzt würde ich es aber sofort wieder machen. Ein anderer Unterschied zeigt sich an der Größe der Konferenzsäle: Hier gibt es viele kleine Meeting-Räume für drei bis vier Personen. Bei der Telekom hat der kleinste Raum 25 Plätze. Daran erkennt man schon, dass wir hier Entscheidungen schneller treffen.

Geht da nicht eher mal was schief?

Interessanterweise: Nein. Aber selbst wenn mal etwas schief geht, dann geht es halt schief. Falsche Entscheidungen kann man korrigieren. Das ist immer noch besser, als sich gar nicht zu entscheiden.

Stimmt es, dass Sie von allen Mitarbeitern bei Microsoft geduzt werden?

Ja, das ist auch ein großer Unterschied zur Telekom. Hier reden mich alle mit „Achim“ an.

Sie bezeichnen sich selbst als Technik-Freak. Wie äußert sich das?

Ich habe mein Haus zu einem Smarthome aufgerüstet. Ich kann von jedem Ort der Welt jedes Licht ein- und ausschalten, jede Heizung aufdrehen und die Jalousien hoch und runter lassen. Wenn die Alarmanlage scharf ist, und jemand vor unserer Kellertür steht, dann bekomme ich per E-Mail ein Foto von ihm, weil er da eigentlich nix zu suchen hat. Und: Ich bekomme per SMS immer Informationen darüber, was das Haus gerade bedrückt.

Was wäre das zum Beispiel?

Vor drei Jahren hatten wir einen Wassereinbruch im Keller. Wir waren auf Mallorca im Urlaub, da kam eine SMS, die den Schaden meldete. Ich habe dann unseren Elektriker angerufen – er ist sofort gekommen und hat verhindert, dass uns der ganze Keller voll gelaufen ist. Da haben wir echt Glück gehabt.

Hat sie die Technik auch mal überlistet?

Oh ja. Bei uns kommt man ins Haus mit seinem Fingerabdruck oder mit einem Code. Es gibt zwar auch noch ein Schloss, aber wir nehmen nie Schlüssel mit. Einmal war die ganze Familie joggen. Als wir wiederkamen, war Stromausfall, da ging gar nichts mehr. Wir saßen dann zweieinhalb Stunden bei unserem Nachbarn auf der Terrasse. War auch ganz nett.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Zu spät, zu teuer  Artikel in Merkliste

09.10.2008 von Eric Bonse

Man muss ein unerschütterlicher Optimist sein, um noch an die Zukunft des europäischen Satellitensystems Galileo zu glauben. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Jenseits der Panik  Artikel in Merkliste

08.10.2008 von Frank Wiebe

Zugegeben, es fällt schwer, das berühmte Licht am Ende des Tunnels oder Silberstreifen am Horizont zu entdecken. Selbst eine Hilfsaktion der Notenbanken und Regierungen kann die Märkte nur mit Mühe wenigstens zeitweise beruhigen. Dennoch: In einigen Jahren werden rückblickend vielleicht feststellen, dass in diesen Tagen die Wende zum Guten ihren Anfang nahm. Kommentar

weiterHandelsblatt Quiz

Werbesprüche-Quiz: Auf Kundenfang mit dem Wir-Gefühl

Los geht's!Seit 1990 ist „Wir“ das wichtigste Wort in der Werbesprache. Wissen Sie, wer noch mit dem Sinn für Gemeinschaft auf Kundenfang geht?
Testen Sie Ihr Wissen!
Anzeige