Johan Lotter, Werksleiter des Spezialchemiekonzerns Lanxess in Südafrika, ist offenbar doch nicht von Unbekannten getötet worden. Heute sollen drei Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden.
KAPSTADT. Zwei Jahre vor Beginn der Fußball-WM sorgt ein Mord in Südafrika für Aufsehen. Johan Lotter, Leiter des Werkes Merebank/Durban des Leverkusener Spezialchemiekonzerns Lanxess, und seine Frau wurden am Wochenende in ihrem Haus in Westville, einem Vorort der Hafenstadt Durban, ermordet. Der 53-Jährige wurde erdrosselt, seine Frau mit einem Küchenmesser erstochen.
Der Fall erhöht die Skepsis, dass Südafrika sein Sicherheitsproblem in den Griff bekommt. „Leute, die nicht glauben wollen, dass sich unser Land in einer schweren Verbrechenskrise befindet, haben den Bezug zur Realität verloren“, wettert Südafrikas Geschäftsmann Johan Rupert, der den Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont kontrolliert.
Zunächst gab es den Verdacht, Johan Lotter und seine Frau seien Opfer eines Raubmordes durch Unbekannte. Ähnlich wie im vergangenen November, als der deutsche Besitzer der vor allem bei deutschsprachigen Urlaubern beliebten Heia Safari Ranch westlich von Johannesburg ermordet wurde. Kurz zuvor war in Wartburg bei Durban das aus Bayern stammende Betreiberehepaar des international bekannten „Wartbuger Hofes“ erschossen worden.
Inzwischen mehren sich jedoch die Hinweise darauf, dass es sich bei der Bluttat nicht um Raubmord, sondern um eine Familienintrige handelt. Wie gestern aus Polizeikreisen in Durban verlautete, sind inzwischen drei Tatverdächtige verhaftet worden. Dabei soll es sich um zwei der drei Kinder des ermordeten Ehepaars sowie einen Helfershelfer handeln. Das dritte Kind der Lotters hat mit dem Mord anscheinend nichts zu tun. Alle Tatverdächtigten haben nach Angaben der Polizei Geständnisse abgelegt und sollen heute dem Haftrichter vorgeführt werden.
Motiv für den Doppelmord soll Geldgier gewesen sein. Es wäre nicht das erste Mal, dass der schlechte Ruf Südafrikas zur Verschleierung eines familieninternen Mordes dient.
Lotter arbeitete seit 1990 in Merebank bei Durban, zunächst als Produktions- und seit Mitte der neunziger Jahre als Standortleiter für das Leverkusener Spezialchemie-Unternehmen, das Bayer 2004 aus dem Konzern ausgliederte. Lanxess produziert in Südafrika Leder- und Kautschukchemikalien. An fünf Standorten arbeiten rund 450 Mitarbeiter.
Als Gastgeber der Fußball-WM 2010 wird Südafrika seit einiger Zeit in den Medien genau beobachtet. Als der frühere österreichische Profifußballer Peter Burgstaller kurz vor der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM 2010 im vergangenen November auf einem Golfplatz bei Durban erschossen wurde, schien dies schlimmste Befürchtungen zu bestätigen: Südafrika bekomme sein Kriminalitätsproblem vor der WM 2010 nicht in den Griff.
Mit täglich rund 50 Morden hat das Land am Kap tatsächlich eine der höchsten Kriminalitätsraten weltweit. Allerdings spielt sich diese Gewalt überwiegend in den Armengebieten ab – und schwappt nur gelegentlich in die mehrheitlich von Weißen bewohnten Villenvororte.
