Doch Roscheisen will es den anderen Ex-Stanfordern nicht im Internet zeigen – sondern bei der Photovoltaik. Nanosolar heißt sein neues Baby: „Wir wollen Sonnenkollektoren auf jedes Dach bringen“, sagt er und spielt auf Microsofts Mission an, einen PC in jeden Haushalt zu bringen. Um das zu erreichen, will er die Kosten für Solarzellen auf ein Zehntel drücken. Die Kollektoren, die er mit einem Team aus Wissenschaftlern entwickelte, bestehen aus winzig kleinen Teilchen, so genannten Nanopartikeln, die sich wie Farbe auf Oberflächen auftragen lassen.
48 Millionen Dollar Wagniskapital hat Roscheisen bereits zusammen, über einen Standort für die Massenproduktion soll bis Ende des Jahres entschieden sein. Einer der Favoriten: die Region Berlin-Brandenburg. „Da Deutschland in der Solarenergie zum Neid der Kalifornier weltweit führend ist, planen wir, in Deutschland zu entwickeln und zu produzieren.“ Rund 50 Millionen Dollar würde Roscheisen in Produktionsstätten investieren.
Dass er überhaupt über einen Standort nachdenken kann, hat Roscheisen seiner Hartnäckigkeit zu verdanken. Als er 2001 begann, Firmen und Konferenzen zu besuchen, um herauszufinden, wie die Herstellungskosten für Sonnenkollektoren drastisch gesenkt werden könnten, reagierten die meisten Gesprächspartner belustigt und hielten das Anliegen für aussichtslos. Und: „Als wir 2002 versuchten, Wagniskapital zu bekommen, galt die Solartechnik noch als ganz komisches Geschäft, in das keiner investieren wollte“, schmunzelt Roscheisen. Inzwischen halten Anleger in den USA und Kanada alternative Energien für so attraktiv, dass 2004 mehr als eine Milliarde Dollar an Venture-Capital in dieses Feld floss.
Auch Top-Wissenschaftler ließen sich begeistern. Bill Gurley, Partner beim Wagniskapitalgeber Benchmark Capital, der in Nanosolar investiert, hält Roscheisens Fähigkeit, die richtigen Leute anzuheuern, für eine seiner Stärken: „Er ist einer der intelligentesten Köpfe, die ich je getroffen habe.“ Wenn Nanosolar einschlägt, könnte es Roscheisens letzte Gründung sein, seine Wirkungsstätte auf absehbare Zeit. „Firmen zu gründen ist ziemlich schrecklich“, sagt er mit einem explosiven Lachen, das seiner Intensität mit Humor die Schärfe nimmt. Nicht nur für ihn: „In unserem Labor wurde anfangs jeden Tag 22 Stunden gearbeitet – nur von vier Uhr morgens bis sechs Uhr morgens war Pause.“
Einen kleinen persönlichen Triumph konnte der schlanke Informatiker schon verzeichnen: Zu den Nanosolar-Investoren zählen zwei, die damals in Stanford den Grundstein zum Erfolg legten: Larry Page und Sergey Brin, die Gründer von Google.
