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28.04.2007 
Frank Asbeck

Wider das Öko-ZK

von Bolke Behrens

Frank Asbeck preist sanfte, erneuerbare Energie. Das ist praktisch sein Job. Asbeck ist Gründer und Chef der Solarworld AG. Als solcher besitzt er nicht nur ein Parteibuch der „Grünen“ – sondern auch drei schwere Motorräder und einen Toyota-Geländewagen. Wie verbindet er seinen Beruf mit der politisch unkorrekten Leidenschaft?

Seinen Geländewagen betreibt Solarworld-Chef Asbeck miit Rapsöl. Foto: dpaLupe

Seinen Geländewagen betreibt Solarworld-Chef Asbeck miit Rapsöl. Foto: dpa

BAD GODESBERG. Er hat keinerlei Mühe, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. „Fat boy auf einer Fat Boy“, kalauert Frank Asbeck und schwingt sich mit seinen rund 120 Kilo auf das Motorrad mit dem legendären Ruf von Freiheit und Abenteuer. Asbeck findet zwar nicht allzu viel Zeit mehr für sein Hobby, hat aber gleich drei schwere Maschinen daheim im Stall. Neben der Harley-Davidson noch eine alte BMW mit Seitenwagen und Schorsch-Meyer-Rennsattel sowie ein modernes Zweirad im Porsche-Design. Nicht zu vergessen der Toyota-Geländewagen, den Jäger und Naturliebhaber Asbeck für Flur und Forst nutzt, und ein flotter Maserati, mit dem er über die Bonner Straßen flitzt.

Für einen Mann, der als Gründer und Chef der Solarworld AG die sanfte, erneuerbare Energie preist und das Parteibuch der „Grünen“ besitzt, ist das ein ganz ansehnlicher Fuhrpark. Auch wenn der Geländewagen mit Rapsöl betrieben wird und Asbeck bei Sportwagenherstellern auf den Einbau von teuren Schadstoff-Filtern drängt („Wer so viel Geld für ein Auto ausgibt, kann auch ein paar Tausender dafür drauflegen“), könnten statistischer Flottenverbrauch und CO2-Ausstoß jeden Klimaschutz-Papst schon mal über eine Exkommunikation des Motorenfans nachdenken lassen.

Asbeck juckt das nicht. „Ich bin“, sagt er fröhlich – und ein bisschen trotzig –, „keinem Öko-ZK oder Parteivorstand Rechenschaft schuldig.“ Nur seinem Aufsichtsrat – wobei es die Sache erleichtert, dass ihm immer noch ein Viertel des Kapitals gehört. Börsenwert: rund eine Milliarde Euro. Und als blendend verdienender Umwelt-Unternehmer kann und will es sich Asbeck leisten, draußen in der Natur nicht nur seine Denk-Batterien beim gemächlichen Spaziergang aufzuladen, sondern sich eben auch wie in alten Road-Movie-Zeiten per Kickstart einen Adrenalinschub zu holen.

Der Mann hat ein sonniges Gemüt und einen sturen Kopf. Und recht betrachtet, ist er auch in seinem 48. Lebensjahre immer noch ein großer Junge, der trotz – oder vielleicht gerade wegen – seiner Körperfülle sehr behände reagiert und seine Kräfte äußerst überlegt einsetzt. Wie er es schon in der Jugend getan hat. Erst vor kurzem, so erzählt Asbeck, hat er beim Stöbern in der Erinnerungskiste einen zerknitterten Zettel mit einer Art Organigramm aus seiner Schulzeit gefunden: „Da war ich bei einer Jungens-Clique der Hauptmann und hab sozusagen die Strategie entworfen. Und hatte einen Vize, der alle in Trab hielt. Jetzt habe ich wieder einen Chief Operating Officer und kann mir als Boss mal die freie Stunde gönnen, um auf neue Gedanken zu kommen.“ Einerlei, ob er da nun mit seinen schweren Maschinen durch die kurvige Eifel brettert oder bloß ruhig daheim ein Stündchen länger im Bett liegen bleibt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Asbecks Naturell ist mit Technik durchwirkt.

Asbecks Erkenntnis: „Es gibt in Wahrheit viel weniger Entscheidungen zu treffen, als Manager gerne behaupten. Aber man muss Geduld haben und zur richtigen Zeit zielsicher sein.“ Wie auf der Pirsch, meint der Hobbyjäger. Und man muss natürlich die passende Saat auf das Feld bringen und kräftig zupacken können, um die Ernte einzufahren, ehe ein Gewitter kommt. Sagt der Unternehmer, der in früher Jugend gern Bauer geworden wäre. „Ich hatte mein eigenes Gärtchen, hab gesät, gegossen und mich gefreut, wie es wächst.“

Aber solche „Nähe zur Schöpfung“, die Asbeck für sein gesamtes Arbeitsleben in Anspruch nimmt, bedeutet nicht nur Bewahren, sondern auch Gestalten: „Macht euch die Welt untertan“ heißt die biblische Devise. Asbecks Naturell ist mit Technik durchwirkt.


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Er ist in Hagen geboren als Sohn eines Unternehmers mit einem kleinen Schmiedebetrieb und aufgewachsen in Dortmund im Bannkreis der Phoenix-Stahlwerke. In einem Arbeiterviertel, wo „man lernt, dass sich jede Elite selber ihren Platz erarbeiten muss“. Und wo der Junge Frank „manchmal ganz schön verkloppt“ worden ist, wenn er nicht aufgepasst hat.

Das ist kein Nährboden für Öko-Gefühlsduselei. Asbeck sagt: „Ich bin nie durch den Wald gehüpft, um nur Beerlein zu sammeln. Ich habe auch Baumhütten gebaut und wollte mit meinen Freunden eine U-Bahn buddeln.“ Es wurde allerdings nur ein kleines Loch draus.

Der Erfolg kommt später – und in Raten. Asbeck studiert Agrarwissenschaften in Bonn und finanziert das Studium, indem er Obstfelder pachtet und die Ernte an Bioläden in der Umgebung verkauft. Mit dem ersten Öko-Supermarkt, den er dann später bei der Gründung berät, will es allerdings nicht recht klappen. Rückblick ohne Reue: „Ich habe oft das Gespür dafür, was kommt. Aber damals war ich einfach zu früh dran“, sagt der Mann mit angeblich „eingebautem Trendscout“.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Nach dem Examen fährt Asbeck erst einmal mit dem Motorrad quer durch Afrika.

Macht nichts. Nach dem Examen fährt Asbeck erst einmal mit dem Motorrad quer durch Afrika und beginnt, einen Handel mit Ersatzteilen aus Deutschland zu betreiben. Nach der Rückkehr aus Afrika gründet er in Bonn ein Ingenieurbüro, das Industrieanlagen ins Ausland liefert. Als Umweltfreak interessiert sich Asbeck auch für Sonnenenergie. Aufs Bürodach will er sich eine Solaranlage setzen. Die soll 10 000 D-Mark kosten, hat aber nur denselben Spareffekt wie ein paar weniger Glühbirnen im Büro. Eine solche Technik wäre „höchstens im ökologischen Ablasshandel für Birkenstock-Jünger“ sinnvoll gewesen, erinnert sich Asbeck – aber keine Technik, die sich ökonomisch durchsetzt. Es muss schon ein paar Nummern größer sein: Auf eigenes Risiko und auf eigene Rechnung baut er die damals mit Abstand größte private deutsche Solaranlage auf das Dach einer Bonner Industriehalle.

Damit steigt er zugleich zu Deutschlands größtem Importeur für Solarmodule auf. Fortan bekommt er jedes Jahr von seinem Modullieferanten BP eine Ehrenplakette als bester Verkäufer Nordeuropas. Das reicht ihm bald nicht mehr: „Ich wollte keine Plaketten mehr, ich wollte unabhängig sein.“ Und diesmal liegt Asbeck voll im Trend: Er gründet im Jahr 1998 seine Solarworld AG, bringt sie 1999 an die Börse, kauft mit den zugeflossenen Mitteln noch im selben Jahr eine Solarmodulfabrik in Schweden, im Boomjahr 2000 dann die Solarsparte der Bayer AG samt Fabrik im sächsischen Freiberg.

Der Kurs der Aktie explodiert geradezu. Und als einer der wenigen Stars der New Economy übersteht Asbeck auch den Börsencrash, gewinnt mit jeder Energiekrise und Klimaschutzdebatte neue Wachstumschancen. Weltweit gehört das Unternehmen zum Spitzentrio der Branche.

Eine Karriere, die in Amerika das unvermeidliche Etikett des Tellerwäschers verpasst bekäme. Aber das passt nicht auf Asbeck. Als Teenager hing er – ganz und gar unamerikanisch – marxistischen Träumen von Gerechtigkeit und Weltverbesserung nach. Die Überzeugung nahm auf einer Schulungsreise der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) ein jähes Ende. Und da half die Leidenschaft ein gutes Stück mit. Die Erfahrung nämlich, dass das DDR-Motorrad MZ statt der im Westen üblichen Nadellager qualitativ schlechtere Rotgussbuchsen eingebaut hatte, ließ den Motorradfreak zweifeln. „Für mich war klar: Wenn der Genosse alle 10 000 Kilometer das Hauptlager wechseln muss, konnte der Sozialismus nur scheitern.“ Direkt nach seiner Rückkehr aus der DDR trat Asbeck bei der SDAJ aus. Seine Philosophie Marke Eigenbau heißt heute: „Die Widersprüchlichkeit des Menschen führt zu klassischen dialektischen Lösungen. Und das heißt immer: Links und rechts sehen und gucken, was dabei rumkommt.“

Seine Politikerkarriere als Grüner, für die er als jüngstes Fraktionsmitglied im Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises saß, war nur von kurzer Dauer. „Diese nächtelangen Diskussionen gingen mir auf die Nerven. Ich wollte nachts schlafen.“ Parteimitglied ist er zwar immer noch, sein Mandat legte er nach zweieinhalb Jahren dagegen freiwillig nieder.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Mit „vielen Viechern“ ist er aufgewachsen.

Hat ein Mann, der so virtuos zwischen eigentlich unvereinbaren Lebensentwürfen hin- und hergependelt ist und dem der Begriff „Political Correctness“ vermutlich den Schlaf raubt, Vorbilder? Ja, aber es sind weder Supermänner der Wirtschaft noch der Politik. Asbeck hat’s auch bei Idolen gern bodenständig und rustikal. In seiner Jugend war es zum Beispiel der grauhaarige, hyperstarke Müllmann, der „unsere schweren Mülltonnen immer wie Federgewichte hochgehoben hat“ und den Jungen öfter auf dem großen Müllwagen mitfahren ließ. „Ich habe“, sagt der Erfolgsunternehmer, „immer große Ehrfurcht vor den Leuten, die das, was sie machen, richtig gut machen.“ Wie auch der Bauer Kampmann, der am Dortmunder Stadtrand Äcker von den Landwirten pachtete, die nicht mehr weitermachen wollten, und schließlich im Schatten von Hochöfen und Zechen über hundert Hektar bewirtschaftete. „Auf Kampmanns Hof habe ich fast meine ganze Freizeit verbracht und viel gelernt“, sagt der High-Tech-Mann mit rustikalem Anstrich.

Mit „vielen Viechern“ ist er aufgewachsen, mit Tieren beschäftigt er sich noch heute gern. Enten, Gänse und Hühner, Pfauen und Truthähne und, nicht zu vergessen, fünf Hunde tummeln sich auf Asbecks Anwesen in Bonn. Es ist ein alter Park mit einem neugotischen Schlösschen, das Asbeck vor dem Abriss gerettet und in zehnjähriger Arbeit renoviert hat. Im großen Grün werkelt er dann gerne in Gummistiefeln und – wie zum Beweis für seinen Hang zu Maschinen – mit einem kleinen Unimog.


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Die noble Umgebung passt ganz gut zum Titel „Sonnenkönig“, der ihm angeheftet wird. Asbeck will zwar auch gern ganz oben sein und niemanden haben, der über ihm steht. „Das liegt daran, dass ich so dominant bin.“ Aber ein absoluter Herrscher wie Louis XIV. möchte er denn doch nicht sein. Lieber eine Art paternalistischer Gutsherr, der für die seinen sorgt und zugleich verehrt wird: „Es macht mir Spaß, wenn ich am Werkstor vom Pförtner mit ,Guten Morgen, Herr Direktor’ gegrüßt werde.“

Da wäre der umtriebige, für Manager höchst unkonventionelle Asbeck vielleicht gern so jemand wie der in Westfalen noch immer geschätzte „Tolle Bomberg“, ein für allerlei Unfug wie auch Gerechtigkeitssinn berühmter Landadeliger des 19. Jahrhunderts. Oder wie, ein paar Rangstufen höher, jener Fürst Muskau in der Lausitz, der seinen bunten Lebenslauf mit der Anlage von berühmt gewordenen Landschaftsgärten krönte. So etwas schwebt auch dem unangepassten Naturburschen Frank Asbeck als sein grünes Meisterstück noch vor.

Da könnte er auch wieder Löcher buddeln.

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