Porsche -Betriebsratschef Uwe Hück nimmt bei der Übernahme von VW eine Schlüsselposition ein. Dabei wird der ehemalige Profi-Europameister im Thaiboxen gegen die eigenen Genossen kämpfen müssen. Das zeigt sich nicht nur auf der Hauptversammlung.
STUTTGART. Es ist sein großer Auftritt. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche
muss die Hauptversammlung kurz verlassen. Uwe Hück wechselt auf dessen Platz. Der oberste Arbeitnehmervertreter von Porsche
übernimmt die Leitung. Alle hören auf sein Kommando. Er genießt die Macht des Augenblicks. Nach drei Minuten ist alles vorbei. Wolfgang Porsche
kehrt zurück, und Hück weicht.
Uwe Hück ist ein besonderer Typ: kahl geschoren, schwarzer Anzug, offener Hemdkragen, der den Blick auf ein Goldkettchen freigibt. Der ehemalige Profi-Europameister im Thaiboxen bedient viele Klischees - nur das eines Konzernbetriebsrats will nicht so recht passen. Der Mann, der noch jede Woche trainiert, wirkt auf dem Podium wie ein Tiger in der Manege. Er könnte jeden ins Jenseits befördern. Aber er tut es nicht und gehorcht, weil er mit Respekt behandelt wird. Und er wird so behandelt, solange er gehorcht.
Vor der Versammlung ein freundliches Wort mit Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche,
weiter zu Porsche
-Chef
Wendelin Wiedeking, Lächeln für die Kameras, Daumen nach oben - die Geste eines Siegers, der von ganz unten kommt. Da kann er auch wegstecken, dass Ferdinand Piëch auf seine Anrede nicht reagiert, einfach durch ihn durchschaut. Hück, ein Waisenkind aus dem Heim mitten unter den milliardenschweren Eigentümern der Sportwagenschmiede, die im Begriff ist, sich Europas größten Autokonzern VW
einzuverleiben. Und Hück hat eine Schlüsselposition in diesem Spiel.
Dabei hat er eigentlich nur das getan, was seine Aufgabe ist. Er hat für seine Belegschaft bei den Verhandlungen über die Mitbestimmung in der neuen Porsche
-Holding
alles herausgeholt, zulasten des mächtigen VW
-Betriebsrats.
In der neuen Holding sind vorerst nur Porsche
-Betriebsräte
vertreten. Und erst wenn Porsche
mehr als 50 Prozent von Volkswagen
übernimmt und der größte europäische Autohersteller faktisch zum Teilkonzern der Porsche
Holding wird, kann VW
-Gesamtbetriebsratschef
Bernd Osterloh in das Gremium einziehen. Auch dann erhält VW
mit seinen 300 000 Beschäftigten nur so viele Plätze auf der Arbeitnehmerbank wie Porsche
mit seinen 10 000 Beschäftigten.
Osterloh hat diesen Schuss erst spät gehört. Er wollte den Eintrag der Porsche
Holding als europäische Aktiengesellschaft mit einer einstweiligen Verfügung verhindern. Plötzlich fand sich Hück im Scharmützel gegen seine eigenen Genossen. Hück ist zwar gewohnt, dem Gegner ins Auge zu schauen. Wenn Hück sich aufregt, schwillt seine Halsschlagader bedrohlich an, so dass selbst Porsche
-Chef
Wendelin Wiedeking beeindruckt ist. Aber die beiden verstehen sich. Wenn Wiedeking mehr Produktivität fordert, bietet ihm Hück die Stirn und handelt einen Kompromiss aus.
Doch ein Machtkampf mit den eigenen Leuten verunsichert Hück zutiefst. Gut zu sehen am 24. Oktober vor Gericht. Als Osterloh mit seiner einstweiligen Verfügung scheitert. Die Härte, mit der Osterloh die verlorene Macht zurück will, irritiert Hück. Am 13. Februar dieses Jahres wird Osterloh das nächste Mal angreifen. Diesmal will er die Mitbestimmungsregelung via Arbeitsgericht kippen.
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Wiedeking gibt auf der Hauptversammlung Breitseiten Richtung Osterloh ab: "Es gibt für diese Klage so wenig eine Rechtsgrundlage wie für die bereits abgewiesene einstweilige Verfügung." Danach ätzt er gegen die von Bundesjustizministerin Zypries angestrebte Novellierung des vom europäischen Gerichtshof verbotenen VW
-Gesetzes.
Sie soll Niedersachsen als Großaktionär auch in Zukunft Sonderrechte einräumen.
Der Antwort aus Wolfsburg folgt am vergangenen Freitag prompt. Wer sich gegen das VW
-Gesetz
stelle, der stelle sich gegen die Belegschaften von Audi
und Volkswagen,
giftet Osterloh.
Hück wird wieder gegen die eigenen Genossen kämpfen müssen. Das macht er nicht gerne. Denn er denkt ein bisschen wie Wiedeking. Und der versucht den VW
-lern
einzutrichtern, dass der Feind außen am Markt steht und nicht in Zuffenhausen. Die Wolfsburger Betriebsräte haben Hück unterschätzt. Anders als sie hat der gelernte Lackierer die Pläne für die Porsche
Holding von Anfang an genau studiert und schnell erkannt, was für seine Leute herauszuholen ist. Und die danken es ihm. Bei Betriebsversammlungen wird er mit "Uwe, Uwe"-Rufen empfangen, wie einst Fußballlegende Uwe Seeler. "Er kann reden und die Leute in seinen Bann ziehen. Das ist fast unheimlich", sagt ein Porsche
-Beschäftigter.
"Im Grunde ist er sehr harmoniebedürftig", sagt ein Insider. Mit zwei Jahren verliert er seine Eltern bei einem Verkehrsunfall und zieht ins Kinderheim. Anerkennung findet er später beim Thaiboxen und bei Porsche,
wo er sich hocharbeitet.
Nach Ende der Hauptversammlung, auf der Wiedeking verkündet, dass Porsche
im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres den Umsatz um 14,2 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro und den Absatz um 18,7 Prozent auf rund 46 600 Fahrzeuge steigern wird, geht Hück noch mal zu Piëch. Der spricht jetzt mit ihm. Denn Piëch weiß: Kann der Streit mit den Wolfsburger Arbeitnehmervertretern nicht beigelegt werden, ist das Projekt VW-Porsche
gefährdet.
