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18.12.2007 
Volkswagen

Winterkorns Weihnachtsbotschaft

von Mark C. Schneider

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat eine Mission: Bis zum Jahr 2015 will er den Konkurrenten Toyota einholen und den Thron der Autobranche erklimmen. In Dresden muss er heute den wichtigsten Managern des Konzerns erklären, wie er dieses ehrgeizige Ziel erreichen will.

Will Branchenführer Toyota einholen: VW-Chef Martin Winterkorn. Foto: apLupe

Will Branchenführer Toyota einholen: VW-Chef Martin Winterkorn. Foto: ap

DÜSSELDORF. Die Volkswagen -Manager sprengen den Rahmen. Die Gläserne Manufaktur in Dresden, Geburtsstätte des technisch exzellenten, aber schwer verkäuflichen Oberklassemodells Phaeton, ist zu klein. Ein geräumiger Zeltbau muss auf der Wiese errichtet werden, um die mehr als 1 200 Spitzenkräfte der Kernmarke VW und des Kornzerns unterzubringen. Die internationale Führungsriege bildet die Kulisse des bedeutendsten Auftritts des Jahres für den Mann an der Spitze.

Martin Winterkorn, seit dem 1. Januar im Amt, muss am Dienstag seine Mannschaft überzeugen, dass der Plan, bis zum Jahr 2015 den Konkurrenten Toyota einzuholen und damit den Thron der Autobranche zu erklimmen, mehr ist als bloß Wunschdenken. "In Dresden wird anschaulich werden, mit welchen Ideen und konkreten Autos wir erfolgreich sein wollen", sagt der VW -Chef. Der Abstand ist groß: Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen 5,7 Millionen Fahrzeuge. In diesem Jahr schafft es die Marke von sechs Millionen Stück. Aber Toyota kam 2006 auf mehr als neun Millionen und kratzt bald an der Marke von zehn Millionen Fahrzeugen.

Winterkorns Weihnachtsbotschaft soll die Mannschaft in Dresden motivieren. Details zu Themen wie Finanzen und Produktion liefern vier hochkarätige Arbeitsgruppen. Der Chef selbst stellt die 16 Hoffnungsträger der nächsten Monate vor ? von den Kleinwagen Fox und Up über den neuen Golf, die Coupévarianten des Brot-und-Butter-Modells ("Scirocco") und des Passat bis hin zu Konzeptfahrzeugen.

Der 60-Jährige soll Volkswagen zur Nummer eins machen. Doch viele Manager, die aus Barcelona, Heimat der spanischen Tochter Seat, aus Mladá Boleslav, dem Sitz der tschechischen Tochter Skoda, oder der Wolfsburger Konzernzentrale nach Dresden gereist sind, wollten es anfangs nicht wahrhaben. Ausgerechnet der technikverliebte Ingenieur "Wiko", wie sie ihn intern nach seinem Kürzel nennen, muss die wirtschaftliche Zukunft entscheiden. Der frühere Qualitätssicherer, der sich laut ungezählter Anekdoten mehr um Spaltmaße als um den Aktienkurs schert.

Mancher pflegte seine Klischees noch, als der Mann im Chefsessel des VW -Hochhauses längst handelte. Die Vorbehalte haben viel mit Wolfgang Bernhard zu tun. Trotz oder gerade wegen seines oft an Brutalität grenzenden Auftretens hatte die mittlere VW -Führungsebene das Wolfsburger Intermezzo des Enfant terribles der Autoindustrie als Befreiung geschätzt. "Es war, als würde jemand ein Fenster öffnen, um den Mief der Ära Piëch zu vertreiben", sagt ein VW -Manager. Und dann kam Winterkorn, der Meisterschüler des Patriarchen, des langjährigen VW-Vorstands - und heutigen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch ? augenscheinlich als Übergangslösung geschickt, um die Zeit zurückzudrehen und Piëchs Erbe zu sichern. Oder etwa nicht?

Was die Kritiker übersahen, möchte ein Wiko-Mann umso ausgeschmückter notiert wissen: "In den Jahren bei Audi ist aus Winterkorn ein Konzernchef geworden, der 1 000 Führungskräften, Politikern und Investoren gleichermaßen Rede und Antwort stehen kann." Belegschaft und Branche erlebten in den vergangenen elf Monaten die Wiedergeburt des ehemals drögen VW?Ingenieurs als strahlender Vorstandschef des Volkswagen -Konzerns.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wenn man will, geht alles

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