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20.04.2008 

In Wuhan sind die Büros mit hellem Laminat ausgelegt, zwischen sattgrünen Plastikpflanzen steht eine rote chinesische Fahne. Die Glaswände geben den Blick frei nach draußen auf die Stadt, in der sich der gelbe Smog mit Nebel mischt. Ein paar hundert Meter entfernt sitzt die Provinzregierung. Sie versucht, Online-Spiele- und Internet-Firmen anzusiedeln. Die 35 Hochschulen der Stadt liefern genügend Absolventen und die Löhne sind niedriger als in den teuren Küstenstädten. Zehn Millionen Menschen leben in Wuhan, unter ihnen gerade mal 100 Deutsche. "Bis 2015 werden zehn Millionen neue Jobs in China im Metaverse entstehen", prophezeit Zahlenmensch Graef.

Wenn die Graefs über den Platz zum Essen in ein Feuertopf-Restaurant gehen, muss sich der große Deutsche unter den Bäumen bücken, denn die Äste wachsen zu tief für ihn. Dann nennt er den Platz den "Tiananmen" Wuhans. Eigentlich wäre im Büro Platz für 250 Leute, aber soweit sind die Graefs noch nicht. Und nicht jeder glaubt an den Erfolg von ACS.

Guntram Graefs ehemaliger Siemens-Kollege, Friedrich Fleischmann, bewundert den Schritt, den die beiden gegangen sind, die Pionierarbeit, die sie hier in China geleistet haben. Doch die Second-Life-Begeisterung hält er für eine vorübergehende Welle. Sorgen um seinen ehemaligen Kollegen macht er sich trotzdem nicht. "Die Graefs machen nichts ohne Absicherung. Sie haben sicher einen Plan B und einen Fallschirm im Gepäck."

Guntrams früherer Chef Joachim Steppich hält die Online-Welten dagegen für ein langfristiges Thema. Es sei völlig richtig, dass die Graefs im Technik-vernarrten Asien gegründet haben. "Ohne Ailin hätte Gruntram diesen Schritt nie gemacht", vermutet Steppich. Man brauche einen chinesischen Partner, um in China erfolgreich zu sein. "Ailin ist der Kontrapunkt zu Gruntrams Wesen. Das, was ihm fehlt, hat Ailin doppelt."

Das verleitet sie mitunter auch zu überdrehten Erzählungen und Vergleichen. Ihren Mitarbeitern zeigte sie den Science-Fiction-Film "Matrix", in der Hoffnung, ihnen die neuen Möglichkeiten im Internet deutlich zu machen. In der Firma übernimmt Ailin dann auch den kommunikativen Marketings-Job, sie, die zierliche 35-Jährige, die auch auf Chinesen sehr viel jünger wirkt, ist das Gesicht und Aushängeschild von ACS. Die Angestellten reden sie ohnehin nur mit dem Namen ihres Avatars Anshe an.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: "Wenn Otto Normalverbraucher direkt in der virtuellen Welt in Markenshops einkauft, schauen einige Leute in den Chefetagen ausländischer Unternehmen dumm"

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