Aber Ailin kann auch anders, pragmatisch. Sie stammt vom Lande und hat die harten Jahre dort nicht vergessen. Selbst heute sagt sie noch: "Ich schätze einen Mitarbeiter mehr, wenn er aus einem kleinen Dorf kommt. Dann weiß ich, dass er intelligent ist und sehr hart arbeiten kann." Die Ärmel hochkrempeln, sich mit einem Gespür für das Geschäft und viel Beharrlichkeit an die Arbeit machen: Wahrscheinlich ist es das, was Oliver Samwer meinte, als er über die Graefs sagte: "Wir haben nicht die Goldgräber gesucht, sondern den mit der Schippe in der Hand."
Und mit der wollen sie die Zukunft gestalten. Wie die aussieht? Guntram Graef hat eine genaue Vorstellung von der neuen Welt: Dort würde ein großer Teil des Handels über das Netz laufen, Zwischenhändler in Deutschland werden überflüssig. Avatare hätten die Körpermaße ihrer Spieler: Wer Kleider kauft, speist seinen Avatar mitsamt seiner Vorlieben in eine Suchmaschine ein, die aus Millionen von Möglichkeiten die passenden Stücke auswählt. Bevor der Käufer sich endgültig festlegt, trägt der Avatar die neue Hose zwei Wochen lang virtuell zur Probe. "Wenn es funktioniert und Otto Normalverbraucher direkt in der virtuellen Welt in Markenshops einkauft, schauen einige Leute in den Chefetagen ausländischer Unternehmen dumm", sagt er und lacht.
Richtig cool werde es, wenn es erst einmal echte Kleider wie zum Beispiel der bisher rein virtuellen Designer-Marke Pixel Doll zu kaufen gäbe. Dann hätten auch weniger bekannte Hersteller aus Ostdeutschland oder eben auch aus China eine neue Chance, mit ihren Produkten am Markt wahrgenommen zu werden. Und dann wäre tatsächlich das geschehen, was bei den Graefs schon vor einigen Jahren passiert ist: Die reale und die virtuelle Welt, das Spiel und die Wirklichkeit würden zusammenfließen.
