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27.10.2006 
Die wahre Macht hinter Chinas Banken

Xie Ping – Ein Banker mit Biss

von Andreas Hoffbauer

Auch nach den Milliarden-Börsengängen bleiben Chinas Top-Banken in Staatsbesitz. Wurden diese Anteile aber früher direkt vom Finanzministerium gehalten, besitzt heute jemand anders die Macht hinter den Kulissen. Die größten Aktienpakete an Chinas Geldriesen gehören der Central Huijin Investment Corp. Ihr Chef: Xie Ping, für chinesische Verhältnisse geradezu ein Querulant.

PEKING. Central Huijin wurde erst 2003 von der Regierung gegründet. Der Investment-Arm sollte die Miliarden-Finanzspritzen für die maroden Banken und Broker in China organisieren. 60 Mrd. Dollar hat Huijin allein in die drei Topbanken – Bank of China, China Construction Bank und Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) – gepumpt.

Inzwischen gilt Huijin als treibende Kraft hinter Chinas großen Finanzreformen. Ohne diesen Investor „wäre die Bankenreform in China weit zurück“, ist etwa May Yan, Vizepräsident von Moody`s Asia Pacific Ltd., überzeugt.

Geführt wird Central Huijin von Xie Ping. Der Ex-Mitarbeiter der Zentralbank ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. So soll er vor Jahren bei einem Treffen des chinesischen Staatsrates unter Führung von Zhu Rongji nicht wie vorgeschrieben die Notenbank-Sicht vertreten haben. Stattdessen erklärte Xie dem Premier, warum er mit der Meinung seines Bosses nicht übereinstimme.

Ein in China eigentlich Karriere beendender Affront. Doch Xie verschaffte sich damit bei dem offenen Zhu großen Respekt. Und als der heutige Regierungschef Wen Jiabao vor drei Jahren nach einem „Banker mit Biss“ Ausschau hielt, um den neuen Investmentarm Central Huijin zu führen, fiel seine Wahl bald auf Xie.

Er trieb Chinas Umbruch im Finanzssektor mit Hochdruck voran. Denn Xie und seinem Team blieb nicht viel Zeit: 2007 muss China seine Bankenbranche für ausländsiche Anbieter völlig geöffnet haben, so will es die WTO-Vereinbarung. Doch Chinas Topbanken sind – bei aller Größe – noch lange nicht fit für den neuen Wettbewerb.

„Eine unserer großen Aufgaben ist, den Banken bei ihrem Umstrukturierung zu helfen“, hat Huijins Vice-Chairman Jesse Wang klar gemacht, dass der Investor von Staats wegen keineswegs nur eine stille Teilhabe anstrebt. So wurden bei Chinas Banken neue Sitten eingeführt: Zentralisiertere Kreditvergabe, Komittees für Risikomanagement und häufigere Vorstandssitzungen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Alte Kader murren.

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