Mittlerweile hat die heute 40-Jährige Zahlen lieben gelernt und ihren absoluten Traumjob gefunden. Unternehmen zu analysieren, Aktien zu kaufen und zu verkaufen, im Sinne ihrer Kunden Geld vermehren: für sie ist der Job "Erfüllung, Herausforderung und Spaß" zugleich.
Ihr Arbeitgeber ist die Kapitalanlagegesellschaft Fidelity, in ihren Fonds verwaltet sie zurzeit mehr als fünf Milliarden Dollar. Hartmann legt Wert darauf, dass sie ihre Karriere mit Anfang 20 nicht bewusst geplant hat, im Gegenteil: Sie selbst nennt es "falling into place" - Fügung.
Auf den ersten Blick wirkt Hartmann heute ein bisschen schüchtern und entspricht dem Klischee einer Norddeutschen. Die blonden Haare hat sie am Hinterkopf zusammengeknotet, das beigefarbene Kostüm ist unauffällig, am Finger glänzt der goldene Ehering. Mit Small Talk kann man sie nicht aus der Reserve locken.
Das Vorurteil der knallharten Geschäftsfrau kommt genau dann durch, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Dann zieht sie die Augenbrauen leicht nach oben, nimmt mit ihrem Gesprächspartner Augenkontakt auf und lässt sich bei ihrem Monolog über die perfekte Auswahl von Aktien nicht unterbrechen.
Positive Unternehmensnachrichten, ein hoher freier Kapitalfluss und eine überzeugende Strategie - das sind ihre Investitionskriterien. Dabei ist es ihr wichtig, keinen Trends hinterherzulaufen, sondern nüchtern an ein Unternehmen heranzugehen und es gründlich zu analysieren. Zwei- bis dreimal pro Tag trifft sie sich deshalb mit Wertpapierhändlern, den Finanzchefs der Unternehmen, die in ihren Fonds vertreten sind oder telefoniert mit Managern in aller Welt.
Peter Noé, Vorstandsmitglied des Baukonzerns Hochtief,
hat Hartmann vor zwei Jahren bei verschiedenen Investorenmeetings kennengelernt und schätzt ihre professionelle Art. "Wenn sie zu einer Konferenz erscheint, ist sie ab der ersten Minute voll da. Sie konzentriert sich auf die wesentlichen Themen, Privates bleibt komplett außen vor", sagt er. Ihre steile Karriere, die bei der Deutschen Bank
in Hongkong beginnt, sie vier Jahre später zu Fidelity nach London und schließlich zum deutschen Firmensitz in den Taunus führt, überrascht ihn nicht. Hartmann habe eben "das richtige Gespür fürs Geschäft".
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Hartmann wühlt sich durch die Unterlagen, überzeugt ihren Chef und tritt kurz danach den neuen Job an
