Unklar ist aber, ob auch Pierer zu ihnen gehörte. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit einen Berg von Unterlagen, die Pierers Anwalt Sven Thomas ihr überreicht hat. Noch in dieser Woche könnte die Behörde entscheiden, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen den 67-Jährigen eröffnet. Der Konzern selbst will in dieser Woche über den Stand seiner internen Untersuchungen berichten: Heute trifft sich der Compliance-Ausschuss, morgen der komplette Aufsichtsrat. Spätestens am Mittwoch will Siemens
bei Vorlage der Quartalszahlen einen Zwischenbericht zu der Affäre vorlegen. Da dürften auch Schadensersatzforderungen gegen Pierer & Co eine Rolle spielen.
Schon jetzt ist der Fall Pierer die Geschichte eines Sturzes, wie es ihn kaum vorher in der deutschen Wirtschaft gegeben hat. Es ist der Sturz eines der angesehensten Topmanager Deutschlands, einer Institution, die sich öffentlich zu aktuellen Fragen äußerte als Referent oder als Buchautor ("Zwischen Profit und Moral") und deren Rat bei den Großen aus Wirtschaft und Politik gefragt war.
Es ist der Sturz eines Mannes, der selbst beteuert, nichts von dem System schwarzer Kassen gewusst zu haben. In den vergangenen Wochen ließ er sich noch regelmäßig bei Siemens
sehen, wo er ein Büro für frühere Führungskräfte nutzt. Ob das von besonderer Chuzpe zeugt oder vom reinen Gewissen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Auf Mitleid oder Gnade sollte er - trotz vieler Verdienste - nicht hoffen. "Jeder hat sein Päckchen zu tragen", sagt Siemens
-Aufsichtsrat Heinz Hawreliuk. "Da können wir für Einzelne keinen Schutzzaun aufstellen." Das zeigte sich auch in der vergangenen Woche: Siemens
-Vorstand Erich Reinhardt, ein Weggefährte Pierers, trat wegen der Affäre zurück.
Lange Zeit war Pierer "everybody's darling". Mit Gerhard Schröder traf er sich auf dem Tennisplatz, Angela Merkel suchte ebenfalls seinen Rat - auch wenn sich die Bundeskanzlerin bald des Problems durch eine Neuordnung des Innovationsrats entledigen wird. Im Stadtrat von Erlangen betrieb Pierer für die CSU Kommunalpolitik, als Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft ging es um globale Themen. Selbst zum Ehrenbetriebsrat hat er es gebracht. "Nun bin ich unkündbar", witzelte er damals.
Und dann, im Frühjahr 2007, muss er doch gehen, seinen Posten als Aufsichtsratschef räumen, offiziell "auf eigenen Wunsch". Quälend lange hat er sich dagegen gewehrt.
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