Bei diesen Treffen erzählt der Asienkenner gerne von einer Verhandlungsrunde in China. Hin und her sei es gegangen, aber über die finanziellen Bedingungen habe man sich nicht einigen können, beginnt die Anekdote. Da habe er heimlich seine Hosentaschen geleert, sei aufgestanden, habe sie nach außen gestülpt und gesagt: kein Geld mehr da. Den Auftrag hat Siemens
natürlich bekommen, endet die Geschichte.
Nun aber lautet der Vorwurf nicht, dass Pierer selbst mit zu vollen Taschen ins Ausland gereist sei, um Aufträge zu sichern. Nein, er soll einen Mitarbeiter gedrängt haben, fragwürdige Zahlungen an Regierungsvertreter nach Argentinien zu überweisen. Das soll ein Mitarbeiter der einstigen IT-Sparte SBS vergangene Woche gesagt haben.
Es wird langsam eng für Pierer. So eng, dass er anderthalb Jahre nach Beginn der Affäre auf eigenen Wunsch jetzt erstmals ausführlich mit der Staatsanwaltschaft redete.
Damit rückt das Ende der Geschichte von Aufstieg und Fall des Heinrich von Pierer näher. Als höchstrangiger Beschuldigter im größten deutschen Schmiergeldskandal würde er wohl endgültig aus dem Olymp der deutschen Wirtschaftsführer gestoßen.
In den hat er sich mühsam hochgearbeitet. An der Siemens
-Spitze war er lange Zeit keineswegs der unumstrittene, hochangesehene Konzernlenker, als der er sich 2005 von seinen Aktionären verabschiedete. Den Chefsessel übernahm Pierer 1992 von Karlheinz Kaske. Nachdem es Pierer nach 23 Jahren an die Spitze geschafft hat, gilt er als Zögerer und Zauderer. "Herr von Pierer, bringen Sie den schlingernden Riesentanker Siemens
wieder in Fahrt und auf Kurs - oder verlassen Sie die Brücke", ruft ihm Daniela Bergdolt auf der Hauptversammlung 1999 zu.
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