Doch mit einem Zehn-Punkte-Programm, das auch die Abspaltung der Halbleitersparte vorsieht, gelingt ihm der Befreiungsschlag. Gewinn und Umsatz steigen in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit - er erreicht den Höhepunkt seiner Macht: Er erhält Ehrendoktorhüte, das Große Bundesverdienstkreuz und die Ehrenstaatsbürgerschaft Singapurs.
Pierers Verdienste sind auch heute noch unstrittig. So hörte er zum Glück nicht auf Analysten, die ihn drängten, renditeschwache Sparten wie die Medizintechnik und die Energieversorgung abzustoßen und sich auf das Handy- und Festnetzgeschäft zu konzentrieren.
Vom Tagesgeschäft war er, das betont der studierte Jurist auch zu seiner Verteidigung, in den letzten Jahren aber schon weit entfernt. Ein Heinrich von Pierer kümmerte sich um die großen Dinge. Dazu gehörten auch Werte und Moral.
Da lohnt sich ein Blick in seine Abschiedsrede von 2005: "Siemens ist einem anspruchsvollen Wertekodex verpflichtet, geprägt von Humanität, frei jeder Diskriminierung und unter Einhaltung strikter ethischer Standards im Geschäftsverkehr", versichert er. "Dieses Bild von Siemens ist zum Teil Wirklichkeit, zum Teil Vision, aber es ist keine Utopie, sondern erreichbar."
Heinrich von Pierer
1941
Heinrich von Pierer wird am 26. Januar in Erlangen geboren.
1969
Nach dem Diplom in Volkswirtschaft und der Promotion in Jura beginnt er bei Siemens
im Zentralbereich Finanzen. Er wechselt 1977 zur Kraftwerk Union (KWU), einem Joint Venture mit AEG.
1989
Er wird Vorsitzender des Bereichsvorstandes Energieerzeugung (KWU) und Vorstand von Siemens. 1990 rückt er in den Zentralvorstand auf.
1992
Pierer wird am 1. Oktober Vorstandschef von Siemens.
2005
Er wird Chef des Aufsichtsrats.
2007
Pierer verlässt im April den Aufsichtsrat.
