Alternative zum Kredit der Hausbank

Maschine zur Miete

Bei der Anschaffung neuer Produktionsanlagen gewinnt Leasing als Alternative zum Hausbankkredit stark an Beliebtheit. Vorteil: So bleibt die Ausrüstung auf dem neuesten Stand und die Firmen schonen ihre liquiden Mittel.
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In 2013 wurden Investitionen über 48 Milliarden Euro per Leasing finanziert. Über zwei Drittel davon entfielen auf „alles, was Reifen hat“ – natürlich auch Gabelstapler. Quelle: dpa

In 2013 wurden Investitionen über 48 Milliarden Euro per Leasing finanziert. Über zwei Drittel davon entfielen auf „alles, was Reifen hat“ – natürlich auch Gabelstapler.

(Foto: dpa)

KölnVon ihrem Bankberater bekam Verena Klingenberg keine guten Nachrichten. Um mit ihrem Betrieb, einer Holzbaufirma im niedersächsischen Kakenstorf, weiterwachsen zu können, brauchte sie Geld für neue Maschinen und Anlagen. Doch einen Kredit verweigerte die Bank. Das Eigenkapital sei zu gering, hieß es. Und überhaupt: Die Situation der Baubranche sei ja nicht so rosig, sagte der Bankberater.

Verena Klingenberg war aber davon überzeugt, dass sich ihr Vorhaben auszahlen würde. Also leaste sie die Geräte: einen fünf Tonnen schweren Brückenkran, einen Gabelstapler sowie eine gebrauchte Abbundanlage, mit der das Holz für Dachstühle automatisch zugeschnitten werden kann. Wert der Anschaffungen: 250.000 Euro. „Die Investitionen haben sich gerechnet“, so Klingenberg. Die Abbundanlage zahle sich besonders stark aus - mit ihr sägen die Mitarbeiter der Firma jetzt auch Holz für viele andere Handwerker in der Region.

Der Fall zeigt: Wenn es um den Ausbau der Geschäftsaktivitäten geht, kann Leasing eine attraktive Alternative zum Kredit der Hausbank sein. Die Finanzierung von Produktionsmaschinen gewinnt auch für die Leasing-Branche an Bedeutung. Der Sektor wuchs 2013 um vier Prozent, während der Gesamtmarkt, der nach wie vor vom Fahrzeug-Leasing dominiert wird, in diesem Jahr stagnierte.

Für Unternehmen gibt es viele Vorteile: Leasing-Modelle schonen die Liquidität und verbessern die Eigenkapitalquote. Zudem fällt es leichter, die Ausrüstung immer auf dem neuesten technischen Stand zu halten. Besonders wenn die Expansion schnell vorangetrieben wird, kommt das zum Tragen. „Wachstumsunternehmen mit Bedarf an neuem Anlagevermögen wie beispielsweise Maschinen und Fuhrpark können ihren hohen Finanzierungsbedarf oftmals gut über Leasing decken“, sagt Peter Bartels, Leiter des Bereichs Mittelstand beim Beratungs- und Prüfungsunternehmen PwC.

In Zukunft könnte die Attraktivität von Leasing-Finanzierungen weiter steigen. Experten rechnen mit höheren Kreditkosten aufgrund der Bankenrichtlinie Basel III, die ab 2014 schrittweise in Kraft tritt. „Kredite werden aufgrund der geplanten verschärften Eigenkapitalhinterlegungspflicht der Kreditinstitute tendenziell eher teurer“, sagt Bartels.

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Finger weg vom Restwertleasing

Viele Leasingverträge enthalten Klauseln, nach denen der Leasingnehmer einen bestimmten Restwert des Fahrzeugs garantieren soll. Den setzen Leasingbanken und Händler häufig unrealistisch überhöht an und programmieren so eine Nachzahlung zum Vertragsende vor. Wer sich von niedrigen Raten locken ließ, kann so ein dickes Ende erleben. Leider bieten auch namhafte Herstellerbanken wie die Volkswagen Leasing und die Toyota Leasing Verbrauchern solche Verträge an.

Tipp: Lesen Sie den Vertrag vor der Unterschrift sorgfältig und in Ruhe durch. Unterschreiben Sie niemals beim Händler, sondern lassen Sie sich den Vertrag nach Hause mitgeben. Verweigert der Händler dies oder entdecken Sie eine Restwertklausel, wissen Sie, dass es sich um ein unseriöses Angebot handelt.

(Quelle: Rechtsanwalt Tobias Goldkamp)

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Vorsicht Deckungslücke

Erleidet das Leasingfahrzeug während der Vertragslaufzeit einen wirtschaftlichen Totalschaden oder wird es gestohlen, kann es sein, dass trotz Vollkasko die Versicherungsleistungen nicht die fällige Ablösezahlung für die Leasingbank abdecken. Diese Lücke kann durch eine GAP-Versicherung geschlossen werden.

Tipp: Achten Sie darauf, dass eine GAP-Versicherung im Versicherungspaket enthalten ist.

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Feste Laufzeit

Finanzierungsleasingverträge werden fast immer auf eine bestimmte Laufzeit geschlossen und sind nicht vorzeitig kündbar. Das kann zum Problem werden, wenn sich Ihre Lebensumstände ändern und Sie das Auto nicht mehr brauchen oder nicht mehr bezahlen können.

Tipp: Manchmal kann über Leasingvertragsbörsen im Internet ein Interessent gefunden werden, der in einen laufenden Vertrag einsteigt. Trotzdem sollten Sie überlange Vertragslaufzeiten vermeiden.

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Unzureichende Gewährleistung

Typischerweise schließen die Leasingbanken die mietrechtliche Sachmängelhaftung aus und treten dem Leasingnehmer stattdessen die kaufrechtlichen Sachmängelansprüche ab. Das bedeutet, dass sich der Leasingnehmer bei Mängeln an den Verkäufer halten muss und nicht ohne weiteres die Zahlung der Leasingraten an die Bank kürzen oder einstellen darf. Problematisch ist, dass die kaufrechtliche Gewährleistung nach spätestens zwei Jahren endet. Hat der Leasingvertrag eine längere Laufzeit, steht der Leasingnehmer im restlichen Zeitraum ohne Gewährleistung da.

So kann es dazu kommen, dass er das kaputte Auto nicht mehr nutzen kann, trotzdem weiter Leasingraten zahlen muss und das Auto am Ende auf eigene Kosten instand setzen muss, weil er gegenüber der Bank verpflichtet ist, es im ordnungsgemäßen Zustand zurück zu geben.

Tipp: Achten Sie auf eine möglichst weitgehende Herstellergarantie. Vermeiden Sie überlange Vertragslaufzeiten.

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Falsche Abrechnungen

Jeden Tag erreichen uns falsche Leasingabrechnungen. Z.B. werden „Schäden“ in Rechnung gestellt, die nicht vorhanden oder als vertragsgemäße Gebrauchsspuren anzusehen sind. Nach wie vor schlagen viele Leasingbanken Mehrwertsteuer auf schadensbedingte Minderwerte auf, obwohl der BGH entschieden hat, dass diese Position nicht der Umsatzsteuer unterliegt.

Oft versuchen Banken und Händler, den Kunden bei der Rückgabe Protokolle und Formulare vorzulegen, mit denen zweifelhafte Begutachtungen oder Abrechnungspositionen anerkannt werden sollen.

Tipp: Unterschreiben Sie nichts, ohne es vorher sorgfältig und in Ruhe gelesen zu haben. Das ist Ihr gutes Recht! Reichen Sie Abrechnungen im Zweifel zur Prüfung ein.

Im Vergleich zu einem Kredit können Betriebe durch Leasing schon jetzt Geld sparen. Ein Beispiel dafür ist die Wein- und Sektkellerei Herres in Trier. Die Firma wächst schnell, im vergangenen Jahr hat sie erstmals mehr als 100 Millionen Flaschen verkauft.

Ihre jüngsten Anschaffungen, Lagertanks mit einem Fassungsvolumen von insgesamt 4,5 Millionen Litern, sind geleast - aus Kostengründen. „Insgesamt betrachtet ist es für uns günstiger, die Tanks zu leasen, als sie zu kaufen“, sagt Adolf Lorscheider, Geschäftsführer für Personal und Finanzen. Der Grund: Beim Leasing lassen sich die Ausgaben schneller steuerlich absetzen.

Hätte die Kellerei die Tanks gekauft, könnte das Unternehmen die Anschaffung nur über einen Zeitraum von zwölf Jahren steuerlich geltend machen - weil das Finanzamt für die Tanks eine Nutzungsdauer von zwölf Jahren zugrunde legt. Der Leasingvertrag hat dagegen nur ein Dauer von siebeneinhalb Jahren, in denen Herres die Leasing-Raten absetzen kann.

Neben der Einsparung war für die Geschäftsführung auch entscheidend, die Finanzierungsquellen möglichst stark zu differenzieren. „Wir wollen uns einfach von keinem Geschäftspartner zu abhängig machen“, sagt Lorscheider. Die Halle, in denen die neuen Tanks stehen, hat das Unternehmen über einen klassischen Kredit finanziert.

Allerdings ist Leasing nicht immer die beste Wahl. Insbesondere bei Gütern, bei denen nicht klar ist, wie lange sie genutzt werden sollen, rät PwC-Experte Bartels zur Vorsicht. Schließlich können geleaste Maschinen nicht wieder veräußert werden. „Leasing-Verträge sind hier in der Regel eher unflexibel und können nicht rasch wieder beendet werden“, sagt Bartels. Auch bei einer allzu ungewissen Auftragsentwicklung kann ein Kauf oder die Kreditfinanzierung die bessere Alternative sein.

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