Crowd-Kapital: Markt wird transparenter

Crowd-Kapital
Schöne neue Finanzierungswelt

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Markt wird transparenter

Die Digitalisierung macht die Finanzwelt auch für kleine und mittlere Firmen transparenter. Sie ermöglicht nicht nur neue Finanzierungsformen, sondern bietet Unternehmen, die auf der Suche nach Kapital sind, die Möglichkeit, über elektronische Plattformen mit vielen Kapitalgebern zusammenkommen zu können. Zudem rücken weniger bekannte Instrumente ins Licht, Berechnungen und Vergleiche sind einfacher. Konsequenz: „Firmenchefs haben heute bessere Verhandlungspositionen“, weiß Sander.

Das bestätigt eine von der TU Darmstadt und dem Online-Kreditmarktplatz Creditshelf durchgeführte Studie, nach der schon zwei von drei Mittelständlern die Möglichkeit kennen, Betriebsmittelkredite über Internetanbieter aufzunehmen. Creditshelf-Geschäftsführer Daniel Bartsch: „Gut jede vierte Firma hat den Hinweis darauf von der eigenen Hausbank erhalten, die diese Kreditvariante also zunehmend als selbstverständlichen Teil des Finanzierungsmix wahrnehmen.“ Ein Mittelständler, der das genutzt hat, ist rbc robotics Fördertechnik aus Bad Camberg. Der Lösungsanbieter von kamerageführten Roboter-Systemen hat über Creditshelf neue Aufträge vorfinanziert. Für Sander ist auch Compeon ein hilfreicher Fintech. Über das Portal können sich Mittelständler kostenlos von 220 Finanzierungsgesellschaften maßgeschneiderte Angebote für Kredite, Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital und Private Debt einholen.

Jonas Löher vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn sieht in Fintechs in erster Linie Partner für kleine und junge Firmen, weniger für den gehobenen Mittelstand. Die auf Digitalisierung basierenden Finanzierungsformen seien noch „Nischenphänomene“. Auch Sander sieht Schwarmfinanzierungen zunächst als eine Ergänzung, „die man aber mal ausprobieren sollte“. Vor allem für Betriebe mit eher durchschnittlicher Bonität sei Crowd-Kapital eine adäquate Alternative. Oder für Betriebe, die ihr Image aufpolieren oder neue Zielgruppen erreichen wollen. So wie das die 1880 gegründete Schokoladenfabrik Sawade zum Ziel hatte. Die besorgte sich von Schwarmanlegern 1,3 Millionen Euro zu acht Prozent Zinsen. Ohne diese Online-Finanzierungsaktion hätten junge Leute „den Namen Sawade wahrscheinlich nie gehört“, so Eigentümer Benno Hübel.

Die Immobilienprojektfirma WvM ist jedenfalls nach dem Deal auf Exporo.de „solide finanziert“, sagt WvM-Chef Koll. Die Eigenkapitalquote betrage über 30 Prozent. Trotzdem hat Koll regelmäßig hohen Bedarf an Fremdmitteln. Behördliche Auflagen verlängern die Vorlaufzeit vom Grundstücksankauf bis zum Baubeginn: „Das bindet mein Eigenkapital.“ Funding-Geld helfe da als ergänzende Finanzierung. „Aber unser wichtigster Baustein bleibt die Bankfinanzierung“, gesteht Koll und bricht damit eine Lanze für die Hausbanken.

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