Crowdfunding
Gründerszene atmet auf

Crowdinvesting ist beliebt: Die Lobby der Gemeinschaftsinvestoren hat ihre Forderungen durchgesetzt. Das Gute daran: Firmen können auch künftig ohne größere Regulierung auf Schwarmfinanzierung setzen.

AachenBeim Fußball kann die Rudelbildung zu hässlichen Szenen führen. Zumeist nach einer strittigen Entscheidung des Schiedsrichters versammeln sich Spieler beider Mannschaften, um Mitspieler verbal oder handgreiflich zu unterstützen. Im schlimmsten Fall führt die Rudelbildung zur Massenschlägerei.

In der Finanzwelt hingegen ist der Begriff „Crowd“ überwiegend positiv besetzt. Beim Crowdinvesting beteiligen sich viele Personen – oft mit geringen Geldbeträgen - über Internetplattformen an zumeist jungen Unternehmen.

Die Kleinanleger hoffen dabei zum Teil auf hohe Renditen. In den vergangenen Jahren ist die vor allem durch soziale Netzwerke bekannt gewordene Kapitalbeschaffung immer beliebter geworden. Das wohl bekannteste deutsche Crowdprojekt ist die Produktion des Kinofilms „Stromberg“, die von mehr als 3.000 Kleinanlegern finanziert wurde. Insgesamt wurden an die Finanzierungsgemeinschaft, die eine Million Euro aufgebracht hatte, nach der ersten Abrechnungsperiode seit dem Kinostart 1,169 Millionen Euro ausgeschüttet.

Das Risiko ist beim Crowdinvesting hoch. Bleibt der Erfolg des Unternehmens aus, droht der Verlust des Kapitaleinsatzes. Nach dem Milliardenskandal um den Windpark-Finanzierer Prokon 2014 sollen Kleinanleger besser vor dem Verlust ihrer Gelder geschützt werden. Jüngst hat der Bundestag den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes beschlossen. Die gute Nachricht für Unternehmen, die auf Schwarmfinanzierungen setzen: Nach der Kritik der Gründerszene enthält das Gesetzespaket nun weitreichende Ausnahmen für die Crowdfinanzierung.

„Die Crowdinvesting-Lobby hat sich weitgehend mit ihren Forderungen durchgesetzt. Die Unternehmen können ohne größere Regulierung weiterhin Schwarmfinanzierung aufnehmen“, sagt Robert Michels, Partner in der Kanzlei Dentons. So wurden die ursprünglich geplanten strengen Informationspflichten gelockert. Anbieter von Crowdfunding-Projekten müssen nun erst ab einer Schwelle von 2,5 Millionen Euro einen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gebilligten Verkaufsprospekt vorlegen.

Die Schwelle war zunächst bei einer Million Euro angesetzt worden. „Die Erstellung solcher Prospekte kann sehr kostspielig werden. Sie würden bei vielen Unternehmen mit geringem Kapitalbedarf wirtschaftlich keinen Sinn machen“, erläutert Michels. Das Vermögensanlagen-Informationsblatt ist jedoch weiterhin Pflicht. „Anleger müssen in jedem Fall bestätigen, dass sie das Informationsblatt erhalten haben“, ergänzt Michels.

Die Gründerszene konnte noch ein weiteres Anliegen durchsetzen: Die Obergrenze von 10.000 Euro wurde bei der Schwarmfinanzierung für Großinvestoren aufgehoben. Kleinanleger dürfen hingegen höchstens 10.000 Euro in ein Projekt stecken.

Ein anderer Kritikpunkt der Gründer war die ursprünglich geplante Beschränkung der Werbemöglichkeiten. Der ursprüngliche Gesetzesentwurf sollte so weit gehen, Werbung über soziale Netzwerke zu verbieten. „Das hätte für die Crowdfinanzierung schwerwiegende Folgen gehabt“, so Michels. Letztlich wurde dies jedoch nicht umgesetzt.

Werbung bleibt weiterhin in allen Medien möglich, muss aber mit einem deutlichen Warnhinweis versehen werden. Unseriöse Werbung kann darüber hinaus von der Bafin individuell beschränkt oder verboten werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%