Crowdlending: Option für Immobilienunternehmen

Crowdlending
Umschwärmter Mittelstand

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Option für Immobilienunternehmen

Crowdlending ist auch für Martin Koll, Geschäftsführer der WVM Immobilien + Projektentwicklung GmbH, ein willkommenes Finanzierungsinstrument. Seine Firma entwickelt, baut und saniert Wohnungen. Rund 100 Mitarbeiter gehören zum Kölner Unternehmen. Koll beziffert das aktuelle Volumen für alle laufenden Projekte auf 600 Millionen Euro. Er hat im August 2016 über die auf Immobilienfirmen spezialisierte Crowdinvesting-Plattform Exporo rund 775.000 Euro für ein Bauprojekt eingesammelt. „Die Platzierung hat nur neun Tage gedauert.“ Den Crowd-Investoren zahlt das Unternehmen einen jährlichen Zins von fünf Prozent.

Für Koll hat dieser Weg den Vorteil, schnell und unbürokratisch an Kapital zu kommen. Der Aufwand sei deutlich geringer als beispielsweise Mittelstandsanleihen zu platzieren. Dass er gegenüber den Crowd-Investoren sein Unternehmen ein Stück weit offenlegen muss, stört ihn nicht. „Das sind keine Firmengeheimnisse. Unsere Bilanzen kann jeder auch öffentlich über den Bundesanzeiger einsehen.“

Über Exporo müssen Anleger keine Gebühren zahlen, der Kreditnehmer hingegen schon. „Für den Fall, dass der anvisierte Finanzierungsbetrag über die Crowd-Anleger nicht zustande kommen sollte, sorgen wir vor“, sagt Exporo-Sprecher Julian Oertzen. So gibt es die Möglichkeit, dass Großinvestoren aus dem Netzwerk von Exporo die Lücke bis zum Funding-Ziel schließen. „Im Zuge der verschärften Eigenkapitalanforderungen – Stichwort Basel II und III – ist es für Immobilienunternehmen zum Teil schwieriger geworden, an Fremdkapital zu kommen“, weiß Oertzen. Dies sei ein Grund gewesen, die Crowd­investing-Plattform vor mehr als drei Jahren zu gründen.

Wie etabliert derlei Finanzierungsinstrumente heute sind, erkennt man auch daran, dass die Commerzbank 2016 als erste deutsche Großbank einen neuen Finanzierungsmarktplatz für mittelständische Unternehmen entwickelt hat. Die sogenannte Peer-to-Peer-Lending-Plattform trägt den Namen Main Funders. Dort können Kunden der Mittelstandsbank ihre Investitionsvorhaben potenziellen Investoren vorstellen, um diese für eine Finanzierung zu gewinnen. Die Volumina liegen zwischen 200.000 Euro und zehn Millionen Euro.

Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Corporate Banking der Commerzbank sagt: „Hohe Investitionsbedarfe, etwa im Zuge von Digitalisierung und Industrie 4.0, stehen heute mehr denn je einer hohen Liquidität durch die anhaltend niedrigen Einlagenzinsen gegenüber.“ Daraus ergebe sich ein neuer Bedarf an Zusatzangeboten zum herkömmlichen Finanzierungs- und Anlagegeschäft.

Crowdlending hat sich in den vergangenen Jahren vor allem bei kleineren Start­ups etabliert. Laut dem Informationsportal crowdfunding.de wurde im Jahr 2016 in Deutschland ein Volumen von 63,8 Millionen Euro realisiert – ein Wachstum gegenüber 2015 von 39 Prozent. 2011 waren es gerade einmal 1,4 Millionen Euro. Für Mittelständler sollten Crowd-Darlehen allerdings nur einen kleinen Teil der Finanzierungen ausmachen, etwa als Ergänzung zur Hauptfinanzierung über die Geschäftsbank.

Und auch Investoren sollten sich genau ansehen, mit welchem Kreditnehmer sie es zu tun haben. Crowd-Plattformen bieten Unternehmen das gesammelte Kapital zumeist in Form von nachrangigen Darlehen an. Sie gehören bei Unternehmen zum Mezzanine-Kapital und sind Finanzinstrumente, die im Insolvenzfall im Rang hinter andere Forderungen gegen das schuldende Unternehmen zurücktreten. Außerdem haben Anleger bei nachrangigen Darlehen keine direkten Mitspracherechte, wie beispielsweise auf der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft.

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