Crowdlending Umschwärmter Mittelstand

Crowdlending ist als Finanzierungsform für Start-ups bekannt geworden. Dank neuer Anbieter kommen jetzt Mittelständler auf den Geschmack. Sie erweitern ihr Finanzierungsportfolio und stärken ihre Bilanzstruktur.
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Über die Crowdinvesting-Plattform Finnest sammelte das niedersächsische Unternehmen zum Jahresbeginn rund 1,5 Millionen Euro ein. Quelle: Arne Weychardt/WirtschaftsWoche
Voelkel

Über die Crowdinvesting-Plattform Finnest sammelte das niedersächsische Unternehmen zum Jahresbeginn rund 1,5 Millionen Euro ein.

(Foto: Arne Weychardt/WirtschaftsWoche)

AachenBei der Voelkel GmbH von einem Saftladen zu sprechen, wäre noch eine Untertreibung. Das familiengeführte Unternehmen aus Höhbeck in Niedersachsen stellt zwar Biosäfte her. Zum Sortiment gehören aber eben nicht nur Orangensaft, sondern zum Beispiel auch Möhrenlimonade, Ananas-Gurke-Smoothies oder Birkenwasser. „Wir probieren immer etwas Neues aus“, sagt Jurek Voelkel, der gemeinsam mit seinen drei Brüdern und seinem Vater die Geschicke der Firma managt und rund 180 Mitarbeiter beschäftigt.

Doch nicht nur in der Produktion, auch bei der Finanzierung gehen die Norddeutschen neue Wege. Über die Crowdinvesting-Plattform Finnest sammelte Voelkel zum Jahresbeginn rund 1,5 Millionen Euro ein. Dabei konnten Anleger bereits mit einer Darlehenssumme von 5.000 Euro investieren. Im Gegenzug zahlt der Safthersteller ihnen einen jährlichen Zins von vier Prozent. Die gesamte Finanzierung kam innerhalb von nur acht Wochen zustande. Die Crowd, zu Deutsch der Schwarm, hatte insgesamt sogar zwei Millionen Euro geboten – weit mehr, als die Firma benötigte. „Das hängt wohl auch damit zusammen, dass viele unsere Produkte kennen. Mein Urgroßvater hat die Firma bereits 1936 gegründet. Wir führen das Unternehmen heute in der vierten Generation“, erzählt Jurek Voelkel.

Für ihn ist das Crowdinvesting-Projekt auch ein Kundenbindungsinstrument und noch dazu gute PR. Der ganz normale Weg zur Finanzierung führt die Saft- und Limonade-Experten, die im Jahr rund 60 Millionen Euro Umsatz machen, nämlich zu ihrer Hausbank. Bei der müssen sie auch wesentlich weniger Zinsen für einen Kredit bezahlen. „Das Darlehen hätten wir auch über unsere Bank bekommen. Ihr gefällt es dennoch, dass wir zusätzliche Kapitalgeber gefunden haben“, resümiert Voelkel.

Das Beispiel zeigt: Crowdlending setzt sich als Alternative zur klassischen Hausbankenfinanzierung in Deutschland immer mehr durch. Nachdem in der Anfangsphase vor allem Start-ups von diesem vergleichsweise neuen Zugang zu Kapital profitierten, entdecken inzwischen auch Mittelständler die Schwarmfinanzierung als zusätzliche Geldquelle. „Online-Finanzierungen sind nicht mehr nur für Start-ups eine attraktive Option. Immer mehr große, namhafte Unternehmen nutzen diese Ergänzung zum herkömmlichen Bankkredit“, sagt Joerg Bartussek, Geschäftsführer und Mitgründer von Finnest.

Das Unternehmen, das seinen Sitz in Österreich hat, gründete er 2014 gemeinsam mit seinem Partner Günther Lindenlaub. Dass die Anlagemöglichkeit auf Finnest dem Bookbuilding-Mechanismus klassischer Unternehmensanleihen ähnelt, ist kein Zufall. Lindenlaub war früher als Raiffeisenbank-Manager an einigen der größten Unternehmensanleihen Österreichs beteiligt. Finnest richtet sich nach eigener Aussage an profitable und bonitätsstarke Mittelständler mit langjährigen Geschäftsmodellen. Bevor ein Unternehmen über die Plattform Kapital generieren darf, wird es von Finnest durchleuchtet. Sowohl die zu finanzierenden Unternehmen als auch die Crowd-Investoren zahlen Finnest für die Vermittlung eine Gebühr.

Option für Immobilienunternehmen
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