Deutsche-Leasing-Chef Ostermann
„Leasinggesellschaften passen gut in die Zeit“

Vor allem das klare Geschäftsmodell ist es, was Kunden am Leasing so anziehend finden. Kai Ostermann, Chef der Deutsche Leasing, spricht über Chancen und Risiken der Branche – und über die Gefahr der Niedrigzinsphase.
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Herr Ostermann, wie gehen Leasingfirmen mit der Niedrigzinsphase um? Den Banken machen die derzeit geringen Zinsen zu schaffen.
Die Niedrigzinsphase ist positiv für unsere Kunden. Das macht Investitionen günstiger und erleichtert sie deshalb. Niedrige Zinsen wirken sich zudem günstig auf die Refinanzierungskosten der Leasinggesellschaften aus. Allerdings sind niedrige Zinsen auch ein Zeichen dafür, dass es mit der Weltwirtschaft nicht zum Besten bestellt ist — und das kann sich negativ auf die Investitionen der Unternehmen auswirken und damit auch auf unser Geschäft.

Niedrige Zinsen haben keine Bedeutung für Ihr Geschäftsmodell?
Das ist so. Wir nehmen zu den aktuellen Konditionen Geld am Kapitalmarkt auf und berechnen die Leasingraten auch laufend auf Basis aktueller Zinssätze.

Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen für die Branche?
Leasinggesellschaften passen gut in die Zeit. Kunden schätzen das klare, einfache Geschäftsmodell, das sich am Investitionsobjekt orientiert. Wir sind per se sehr nah an der Realwirtschaft und bewegen uns stark im deutschen Mittelstand. Deshalb hat die Branche gute Chancen, neue Kunden zu gewinnen und mehr Geschäft mit bestehenden Kunden zu machen.

Und welche Risiken gibt es derzeit Ihrer Meinung nach?
Risiken entstehen durch die fragile wirtschaftliche Lage. Unverändert ist die Schuldenkrise nicht gelöst. Sollte die Unsicherheit anhalten oder sollten neue Krisenherde entstehen, wird dies für das Investitionsverhalten der Unternehmen nicht ohne Folgen bleiben.

Wie schätzen Sie die Aussichten für die Deutsche Leasing 2013 ein?
Es bleibt unverändert sehr schwer, das einzuschätzen. Bisher liegen wir in etwa auf dem Vorjahresniveau, aber mit Blick auf die geschilderten Unwägbarkeiten ist die weitere Entwicklung kaum vorherzusagen.

Sie haben überlegt, Ihr Auslandsnetz auf Indien auszuweiten. Wie weit sind Sie mit Ihren Plänen?
Unser Auslandsnetz ist kein Selbstzweck. Wir begleiten deutsche Unternehmen in Länder, die für sie interessant sind. Meist geht es dabei um Exporte, aber auch Direktinvestitionen im Ausland. Wir folgen somit den Handels- und Investitionsströmen des deutschen Mittelstands. Mit unserem Auslandsnetz in 22 Ländern fühlen wir uns aktuell sehr gut aufgestellt. Bei der Frage, ob wir in ein neues Land gehen oder nicht, spielen auch steuerliche, rechtliche und kulturelle Unterschiede eine Rolle.

Kommen für Sie auch Übernahmen in Deutschland infrage?
Wenn wir uns in Spezialsegmenten verstärken, schon. Nehmen Sie als aktuelle Beispiele die Übernahme der Universal Factoring von der WestLB oder die Transaktion mit der Hannover Leasing Automotive. Wir suchen nicht nach Akquisitionsmöglichkeiten, sondern wollen in erster Linie organisch wachsen. Wenn sich dennoch eine gute Gelegenheit bietet oder wir über einen Zukauf in eine Nische vorstoßen können, tun wir das auch.

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