Deutsche Leasing
Wenn die Urenkel von Aristoteles feiern

Die Deutsche Leasing ist eine Tochter der Sparkassen. Und ihre Jubiläumsfeier leitete den Generationenwechsel des Sparkassenverbandes ein.
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FrankfurtDer Abend begann als 50-jähriges Firmenjubiläum und klang in den Morgenstunden als Geburtstagsfeier des 67-jährigen Sparkassen-Präsidenten Heinrich Haasis aus. Haasis, dessen Amtszeit an der Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) am 15. Mai endet, hatte während des gesamten Abends seinen Nachfolger Georg Fahrenschon an seiner Seite.

Für die Fotografen war dies eine der bislang besten Gelegenheiten, Haasis und den 22 Jahre jüngeren ehemaligen bayerischen Finanzminister Fahrenschon gemeinsam vor die Linse zu bekommen. Auf den ersten Blick wirkte Haasis jünger als 67 und Fahrenschon deutlich älter als seine 44 Jahre. Ein der Situation geschuldeter Eindruck? Haasis bewegte sich in der Alten Oper in Frankfurt wie in seinem vertrauten Vereinsheim. Auf Fahrenschon schien dagegen der Beobachtungsdruck eines neuen Mitglieds in diesem Kreis zu lasten.

Aber für beide war es mehr als ein Fotoshooting oder der wohlwollende Besuch des 50-jährigen Firmenjubiläums der Deutschen Leasing, die den Sparkassen seit 1998 gehört. Die Symbolik des Schulterschlusses sollte klarmachen, dass der Wechsel an der Spitze des DSGV keinen Richtungswechsel bedeutet und auch kein Entscheidungsvakuum nach sich zieht. Diese Erfahrung musste erst vor zwei Wochen der Chef der ebenfalls sparkasseneigenen Dekabank machen. Der wurde am Vorabend der Bilanzpressekonferenz gefeuert.

Für die 800 Gäste in der alten Oper war der Abend kurzweiliger und unterhaltsamer, als man es von einem Firmenjubiläum erwartet hätte. Kai Ostermann, Vorstandschef der Deutschen Leasing, Aufsichtsratschef Alexander Wüerst, DSGV-Chef Haasis und selbst der parteitagsgeprüfte hessische Finanzminister Thomas Schäfer fanden sich bereitwillig in die Rolle des Unterhalters ein. Ostermann führte die Idee des Leasings auf Aristoteles zurück, denn nicht der Besitz, sondern der Gebrauch von Gegenständen mache deren Wert aus. Schäfer grübelte laut über die „undankbare Sandwich-Position“, die man ihm zwischen Vorspeise und Hauptgang zugedacht habe. Haasis erzählte, wie er als Lehrling an den Ergebnissen der ersten automatischen Sparkassenrechner so verzweifelte, dass er einen Kassenfehlbetrag aus dem eigenen Portemonnaie ausgleichen wollte.

Die Ausgelassenheit wurde jedoch am frühen Abend für einige Minuten durchbrochen, als Ostermann eine Video-Aufzeichnung von Albrecht Dietz, dem Gründer der Deutschen Leasing, einspielen ließ. Der von Krankheit gezeichnete Dietz sprach über die Erfolge und Krisen der Gründungsjahre und über seine autoritäre Führung, die damals notwendig gewesen sei, heute aber schädlich wäre. Dietz starb am 21. März.

Der Generationenwechsel war auch unter den Anwesenden offensichtlich. Die Mehrheit der Sparkassen- und Politprominenz hatte die 50 ebenso deutlich überschritten, wie der Vorstand der Deutschen Leasing von dieser Schwelle noch entfernt ist. Das Kulturprogramm zog dagegen einen breiten generationenübergreifenden Bogen von Pop, Oper, Ballett, Breakdance und anderen Street-Art-Elementen. Das Bühnenprogramm, das über 50 Künstler, Sänger und Tänzer über drei Monate eingeübt hatten, wurde zudem durch aufwendige Technikeffekte in Szene gesetzt.

Bauer Thomas, Reporter Finanzzeitung Frankfurt
Thomas Bauer
HB Redaktion Finanzzeitung / Reporter Finanzzeitung Frankfurt

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